Klassiker (Radsport)


Als Klassiker werden im Straßenradsport besonders bedeutende und traditionsreiche Eintagesrennen bezeichnet.

Obwohl der Begriff Klassiker im Radsport weder geschützt noch genau definiert ist, lassen sich doch mehrere traditionsbildende Faktoren benennen, die für das Prestige der Radrennen entscheidend sind:[1] das Jahr der Erstaustragung – möglichst vor dem Ersten Weltkrieg –, eine hohe Anzahl von Austragungen, ein während der verschiedenen Auflagen weitgehend unveränderter, von den Anforderungen typischer („klassischer“) Streckenverlauf,[2] die Anerkennung in der Öffentlichkeit und die Qualität der Siegerliste.

Die bedeutendsten Klassiker sind die fünf „Monumente des Radsports“, welche alle erstmals vor dem Ersten Weltkrieg ausgetragen wurden und einen Palmarès mit zahlreichen bekannten Siegern aufweisen.[3] Jedes dieser Rennen hat eine besondere Charakteristik:

Nur drei Radrennfahrern gelang es bisher, bei allen fünf Rennen mindestens einmal zu gewinnen, alle stammen aus Belgien: Zunächst gelang dies Rik Van Looy, der zwischen 1958 und 1965 insgesamt acht Siege erreichte. Danach konnten Eddy Merckx (zwischen 1966 und 1976) sowie Roger De Vlaeminck (zwischen 1970 und 1979) alle Eintagesrennen gewinnen. De Vlaeminck gewann insgesamt elfmal bei einem Klassiker, Merckx gewann insgesamt 19 Mal (und bei jedem Rennen mindestens zweimal).

Allgemein zu den Klassikern wird auch Paris–Tours gezählt, obwohl der Name und die Strecke des Rennens einige Male wechselten.[10] Strittig ist der Klassikerstatus u. a. für Omloop Het Nieuwsblad (bis 2008: Omloop Het Volk), Gent–Wevelgem, La Flèche Wallonne, Amstel Gold Race, Clásica San Sebastián, Brussels Cycling Classic, früher: Paris–Brüssel, Piemont–Rundfahrt und Mailand–Turin. Diese und andere Rennen werden oftmals „nur“ als „Halbklassiker“ angesehen,[11] da bei diesen Rennen einige der genannten Kriterien für klassischen Rennen ganz oder teilweise nicht vorliegen. Für bedeutende Rennen neueren Gründungsdatums, wie die Clásica San Sebastián, Eschborn–Frankfurt und die mittlerweile für Profis eingestellte Meisterschaft von Zürich wird auch der Begriff moderne Klassiker verwendet;[12] hierzu könnte auch das 1966 erstmals ausgetragene Amstel Gold Race gezählt werden.

Eine Besonderheit stellt das in den Jahren 1891 bis 1988 ausgetragene Bordeaux–Paris dar, das über ca. 600 km führte, aber seit den 1960er Jahren an Bedeutung verlor.[13]


Mailand–Sanremo: Das Hauptfeld in Diano Marina 2004
Flandern-Rundfahrt: Roger De Vlaeminck am Koppenberg
Paris–Roubaix: Carrefour de l'Arbre
Lüttich–Bastogne–Lüttich: Andy Schleck an der Côte de la Roche-aux-faucons
Lombardeirundfahrt: Streckenplan 2008.
Rund um den Henninger-Turm 2005: an dritter Stelle der spätere Sieger Erik Zabel