Klassizismus


Klassizismus bezeichnet als kunstgeschichtliche Epoche den Zeitraum etwa zwischen 1770 und 1840.[1] Der Klassizismus löste den Barock bzw. das Rokoko ab. Zum Klassizismus gehören die Stile Louis-seize (1760–1790), Directoire (1795–1803), Empire (1803–1815), Regency (ca. 1810–1820) und Biedermeier (1815–1848). Die Epoche wurde in der Malerei, Literatur und (teilweise) Musik außerdem von der Romantik begleitet und in der Architektur vom Historismus abgelöst. Für die Musik der Epoche (bis in die 1820er Jahre) ist etwas abweichend der Begriff Klassik bzw. Wiener Klassik üblich. Im Verhältnis zum Barock kann der Klassizismus als künstlerisches Gegenprogramm aufgefasst werden. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gelangte er nach einer ersten Phase der Koexistenz durch die anhaltenden Diskussionen über die ästhetischen Leitbilder des Barocks zur Vorherrschaft. Der Klassizismus in der Architektur basiert auf dem Formenkanon des griechischen Tempelbaus, lehnt sich teilweise aber auch an die italienische Frührenaissance an.

Über die Epochenbezeichnung hinaus wird der Begriff Klassizismus auch schon für solche Renaissancebauten verwendet, die sich mehr an der griechischen Antike als an der römischen Kaiserzeit orientieren. Ein Beispiel eines ausgesprochen klassizistischen Renaissancebaus in Deutschland ist die Fassade des Augsburger Rathauses.

Der Klassizismus hat sich von Europa aus global verbreitet und wird bis heute in Anlehnung an die klassizistische Epoche als sich universell einpassende und harmonische klassische Architektursprache verwendet.

Der Begriff findet auch im Sinn eines künstlerischen Rückgriffs auf antike griechische oder römische Vorbilder seine Verwendung. Die Rezeption der Römischen Kunst in der europäischen Kunstgeschichte geht weit zurück, von der Tradierung römischer Bautechniken in der Vorromanik über die Wiederaufnahme römischer Stilelemente durch die Romanik und erneut durch die Renaissance sowie den Klassizistischen Barock bis zum Frühklassizismus, der sich zeitlich mit spätem Rokoko und Louis-seize überlappte. Der britische Palladianismus nahm wiederum Renaissanceformen auf. Klassizismus trat bereits seit dem 17. Jahrhundert in den europäischen Künsten in verschiedenen Strömungen, Themenstellungen und unterschiedlichen regionalen Ausprägungen in Architektur, Malerei und Plastik in Erscheinung (siehe Classicisme). Die Forschungen Winckelmanns vermittelten ab Mitte des 18. Jahrhunderts zudem die antike Griechische Kunst in das europäische Stilbewusstsein und seine Ausgrabungen in Pompeji und Herculaneum lösten den Pompejanischen Stil aus.


Die Glyptothek in München (durch Klenze 1816–30 erbaut)
Altes Museum, Berlin (durch Schinkel 1825–30 erbaut)
British Museum, London (durch Smirke 1825–50 erbaut)
Schloss Wörlitz (ab 1769 erbaut)
Deckendekor „Tanz der Bacchen“ in der Galleria Borghese, Rom. Die tanzenden Figuren und andere Elemente sind von antiken Wandmalereien beeinflusst und wurden ein beliebtes Motiv der klassizistischen Dekoration
Ägyptischer Dekor in der Galleria Borghese, Rom
Das Panthéon in Paris
Das Potsdamer Neue Palais mit den dahinterliegenden Communs (1763–69)
Das Palais Vischer in Calw ist ein Beispiel für den Schwäbischen Klassizismus. Durch den warm getönten und weichen rosa Sandstein wirkt es beinahe barock und völlig untypisch für Klassizismus
La Madeleine in Paris
Die ab 1810 entstandene klassizistische Planstadt Putbus auf der Insel Rügen, Circus
Biedermeier-Wohnzimmer um 1830
Historismus, klassizierend: Parlament in Wien
Christus und Engel von Bertel Thorvaldsen, Hauptaltar der Vor Frue Kirke, Kopenhagen
Umbau des Altarraumes der Kirche am Hof im klassizistischen Stil (1789)