Kommunale Jahresabschlussanalyse


Die kommunale Jahresabschlussanalyse befasst sich als Art der Bilanzanalyse mit der Untersuchung von kommunalen Gebietskörperschaften hinsichtlich deren wirtschaftlicher Lage anhand ihres Jahresabschlusses oder ihres Gesamtabschlusses.

Die kommunale Jahresabschlussanalyse kann intern von der Gebietskörperschaft selbst für eigene Zwecke oder extern von Analysten durchgeführt werden. Zweck ist die Ermittlung von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen aus dem Jahresabschluss, die Aufschluss über die wirtschaftliche Lage einer Gebietskörperschaft vermitteln. Gebietskörperschaften sind alle staatlichen Untergliederungen (wie Bundesländer, Gemeinden oder Gemeindeverbände) außer dem Bund. Das gilt entsprechend auch im Ausland.

Gläubiger einer Gebietskörperschaft (Kreditinstitute beim Kommunalkredit, Lieferanten, Leasinggeber, Partner bei Öffentlich-Privater Partnerschaft) haben ein Interesse daran, die wirtschaftliche Lage einer Kommune zu ermitteln, um ihr Kreditrisiko einschätzen zu können. Das gilt auch für Ratingagenturen, die im Rahmen einer kommunalen Jahresabschlussanalyse ein Rating festlegen, nach dem sich nicht selbst analysierende Gläubiger richten können.

Die kommunale Jahresabschlussanalyse beruht auf dem veröffentlichten Zahlenmaterial des kommunalen Rechnungswesens. In Deutschland und weltweit sind im öffentlichen Sektor alternativ zwei Buchführungssysteme in Gebrauch, die Doppik und/oder die Kameralistik. Seit Juli 2009 sieht hierfür in Deutschland das maßgebliche Haushaltsgrundsätzegesetz (HGrG) in § 1a Abs. 1 HGrG eine kamerale oder „staatliche doppelte Buchführung“ im Rechnungswesen vor. Im Falle der „staatlichen Doppik“ hat diese nach § 7a Abs. 1 HGrG den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs (HGB) zu folgen, insbesondere bei der laufenden Buchführung, Inventur, Bilanzierung und Abschlussgliederung. Nach § 95 Abs. 2 GemO NRW setzt sich der kommunale Jahresabschluss aus Ergebnisrechnung, Finanzrechnung, Teilrechnungen und der Bilanz (Vermögensrechnung) zusammen.

Der doppische kommunale Jahresabschluss ist nach §§ 242 ff. HGB aufzustellen und setzt sich aus der Bilanz mit genauen Gliederungsvorschriften (§ 266 HGB), der ebenfalls gegliederten Gewinn- und Verlustrechnung (§ 275 HGB) sowie dem Anhang (§ 284 HGB) zusammen und wird gegebenenfalls um den Lagebericht (§ 289 HGB) ergänzt. Aus dem Jahresabschluss können dann – wie bei Unternehmen – Kennzahlen entwickelt werden, die Aussagen über betriebliche Verhältnisse machen, jedoch die gemeindewirtschaftlichen Eigenheiten nicht berücksichtigen.