Kreisverkehr


Ein Kreisverkehr, auch Verkehrskreisel,[1] Kreisverkehrsplatz (KVP), Kreisel, Teller oder Rondell genannt, ist ein Knotenpunkt im Straßenverkehr. Er besteht aus der Kreisfahrbahn und einer Mittelinsel. Die Kreisfahrbahn ist wie eine Einbahnstraße nur in einer Richtung zu befahren, das heißt im Rechtsverkehr entgegen dem Uhrzeigersinn (linksdrehend) und im Linksverkehr mit dem Uhrzeigersinn (rechtsdrehend).

Die ersten Kreisverkehre gab es bereits am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. So wurde in New York 1904 am Columbus Circle (durch William Phelps Eno) sowie 1907 in Paris rund um den Arc de Triomphe (auf Vorschlag Eugène Hénards) ein Kreisverkehr eingerichtet.[2] Älter ist jedoch der um 1899 errichtete Görlitzer Brautwiesenplatz, der somit der vermutlich erste Kreisverkehr ist.[3]

In Deutschland waren Kreisverkehre in der Nachkriegszeit zunächst gang und gäbe. Der in dem Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr von 1968 enthaltenen Regelung, dass in Kreisverkehrsplätzen mit einer Beschilderung entsprechend dem heutigen Zeichen 215 generell die Rechts-vor-links-Regel zu gelten habe, wollte sich die Bundesrepublik Deutschland jedoch nicht anschließen. Dort wurde daher das Verkehrszeichen Kreisverkehr mit der Verkehrsrechtsreform von 1969 aus der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) entfernt. Um der Gefahr einer Selbstblockade bei stärkerem Verkehrsaufkommen zu begegnen, wurde stattdessen dem Verkehr im Kreis durch Vorfahrtzeichen Vorfahrt die Vorfahrt gewährt. Die Zufahrten wurden zusätzlich mit Vorfahrt-gewähren-Zeichen Vorfahrt gewähren versehen. In der DDR wurde das Zeichen mit der StVO von 1977 ungültig (seine Gültigkeit erlosch nach dem 15. Januar 1978).

Aufgrund von Missverständnissen bei den Berechnungsgrundlagen[4] gerieten Kreisverkehre zunehmend in Vergessenheit. Kreisverkehre wurden in den folgenden Jahren häufig in ampel­geregelte Kreuzungen umgebaut.

In anderen europäischen Ländern, zum Beispiel Frankreich, Großbritannien und Spanien, wurden Kreisverkehre dagegen weiterhin gebaut. Besonders in Frankreich, das je nach zählweise zwischen 70.000 und 160.000 Kreisverkehren (ronds-points, giratoires) besitzt,[5] werden diese gern zur Verkehrsregelung benutzt. 1984 wurde in Frankreich die umstrittene Rechts-vor-links-Regel aufgehoben.[6]

Seit Beginn der 1990er Jahre erlebten Kreisverkehre auch in Deutschland eine Renaissance. In den Jahren 1995 und 1998 führte das Bundesministerium für Verkehr Regelungen für die Anlage von Kreisverkehren an Bundesstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften ein.[8]


Kreisverkehr in Straßwalchen, Österreich
Kreisverkehr in Washington (1922)
Kreisverkehr 1951 in Leipzig
2.41.1 Kreisver­kehrs­platz
(Schweiz)
Zeichen 215: Kreisverkehr.
(StVO Deutschland)
StVZVO-Gefahren­zeichen 3a
(Österreich)
Kreisverkehr mit vier Ein- und Ausfahrten
Unterirdischer kreisförmiger Knotenpunkt auf der Fahrzeugebene unterhalb der Bochumer Innenstadt
Minikreisverkehr als Versuch in Wipperfürth, Deutschland.
Kombinierte Querungsanlage für Fahrräder (Radverkehrsanlage) und Fußgänger (Zebrastreifen) an einem Kreisverkehr (Bad Krozingen, August 2018)
Hochkreisel in Tschechien
Bei diesem Kreisverkehr wurde die innere Spur nach kurzer Zeit gesperrt.
Schema des Magic Roundabout (Swindon), England
Eine mögliche Variante eines Turbokreisverkehrs
Throughabout
Fahrtrichtungsweiser eines Throughabout in den Niederlanden
Belgrad: Kreisel mit integrierten Straßenbahngleisen auf dem Slavija-Platz
Kunst auf der Mittelinsel eines Kreisverkehrs in Duisburg.
Kreisverkehr in der Steiermark
Zusatzschild, das zur Betätigung des Fahrtrichtungsanzeigers beim Verlassen des Kreisverkehrs auffordert. In Deutschland, wie in Österreich und Italien, wird dieses Schild aufgestellt, da trotz Vorschriften viele Verkehrsteilnehmer beim Ausfahren nicht blinken.
Aufbau eines typischen Kreisverkehrs