Kupferstecher


Der Kupferstecher ist ein Künstler oder Handwerker, der mit der Technik des Kupferstichs arbeitet. Durch spanabhebende Verfahren überträgt er Abbildungen auf Platten aus Kupfer, die als Druckplatten dienen. Zur Vervielfältigung der Abbildung werden die in die Kupferplatte eingearbeiteten Linien eingefärbt. Kupferstiche werden heute nur noch von wenigen Künstlern hergestellt.

Ein ähnlicher grafischer Beruf ist der des Graveurs, der Schrift und Verzierungen in Gegenstände des täglichen Gebrauchs, Dekorationsgegenstände und Schmuck einarbeitet. Bei der Herstellung von Banknoten verwenden Graveure heute noch die Technik des Stahlstichs, die sich aus dem Kupferstechen entwickelt hat.

Zahlreiche Künstler des 15. und 16. Jahrhunderts wie Albrecht Dürer, Lucas Cranach, Meister E. S., Martin Schongauer und Meister der Spielkarten fertigten neben den Tafelbildern auch vervielfältigbare grafische Blätter für den neuen Markt, der durch das aufstrebende, zu Wohlstand gekommene Bürgertum vorhanden war. Die Technik dafür war bis zur Erfindung der Radierung der Kupferstich. Oft beschäftigten die Künstler – zum Beispiel Dürer – zur Druckstockherstellung eigene Werkstätten und stachen selbst nur einen Teil des Druckstockes, während die Stecher in der Werkstatt die Vorlage nach den Vorgaben ergänzten.

Weil der Kupferstich höhere Auflagen als die Radierung zulässt und detailgenauere Darstellungen als der Holzschnitt erlaubt, waren Kupferstecher als Künstler und Kunsthandwerker bzw. Druckstockhersteller bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts gefragt, bis die Lithografie den Kupferstich und den Holzstich als Illustrationsmittel ablöste.

Theodor de Bry, Johann Theodor de Bry und Matthäus Merian sind berühmte Illustratoren, die in von ihnen illustrierten Reise- und Städtebeschreibungen vor den Textautoren aufgeführt wurden. Kupferstecher wurden im 16. bis 18. Jahrhundert in Malerwerkstätten und Verlagshäusern in großer Zahl beschäftigt, um Gemälde als Kupferstich zu kopieren oder Illustrationen druckfähig zu übertragen.

Sie waren meistens selbst nicht kreativ tätig, sondern übertrugen die Arbeiten anderer, was aber trotzdem hohe Anforderungen an ihre zeichnerischen und handwerklichen Fähigkeiten stellte. Daher dürfte die Qualitätsaussage „wie gestochen“ für eine hervorragende zeichnerische Darstellung stammen.


Kupferstecher bei der Bearbeitung einer Druckplatte
Darstellung der Kupferstichtechnik in der Encyclopédie, um 1760
Porträt eines Kupferstechers, Ölgemälde von Ferdinand Tellgmann (1834)