Kuppel


Als Kuppel (von lateinisch cupula „kleine Tonne“) oder Dom bezeichnet man in der Architektur Gewölbe mit einem zentralen Scheitelpunkt, die von wenigen bis hunderten Meter Spannweite seit 5.000 Jahren eines der ausgefeiltesten Strukturelemente der Baukunst stellen. Sie erheben sich über einem kreisförmigen oder eckigen Grundriss. Die sphärisch geformten Raumabdeckungen werden durch Drehung eines Halbkreises, Ellipsen-, Parabel- oder Spitzbogens um eine Vertikalachse konstruiert. Allgemein handelt es sich um die halbkugel- oder glockenförmigen oberen Teile eines Raumes.

In der sakralen Baukunst leitet eine zylinderförmige, fensterdurchbrochene Tambour-Mauer zum Pendentif, den meistens aus vier bis acht Segmenten bestehenden Überleitungsmauern zum Gebäudegrundriss.[1] Der ganze Umfang ihres Grundrisses dient als Widerlager. Systeme aus Halbbögen und Halbkuppeln leiten die Kräfte der bei nachmittelalterlichen Kuppeln bis über 65.000 Tonnen betragenden Gewichte nach unten.[2] Seit der Renaissance war es die Einführung von Doppelschalen und seit dem Barock auch die Nutzung von Eisen oder Blei, die das Jahrhundertelang Maßstäbe setzende Bauwerk der Hagia Sophia mit ursprünglich 33 m messenden Durchmesser nachzuahmen oder zu übertreffen half. Solche großen Kuppeln erforderten besondere Kenntnisse in Geometrie und Bauingenieurkunst, worin in der Antike die Schrift des Herons von Alexandria (Über Gewölbe) die theoretische Grundlage lieferte und, durch Anthemios von Tralleis und Isidor von Milet schöpferisch umgesetzt, eine klassische Lösung für ein völlig neues Paradigma christlicher Baukunst anbot.[3][4] Im Wetteifer mit antiken Vorbildern stand der Kuppelbau der Renaissance, in der Leon Batista Alberti maßgebender Theoretiker sowie Filippo Brunelleschi, Bramante und Michelangelo schöpferische Umsetzer der Kuppeln im Dom von Florenz und Petersdom und somit Vorbilder im Barock wurden.[5] Eine weitere Paraphrasierung der Renaissance-Kuppel ist Christopher Wrens Kuppel der St Paul’s Cathedral, die wiederum als direkte neoklassizistische Übernahme in der Kuppel des Kapitols in Washington und auch in vielen weiteren Staaten als architektonischer Ausdruck politischer Repräsentation genommen wurde. In Deutschland und Österreich bildete nach dem Barock insbesondere der Historismus eine Zeit, in der repräsentative Bauwerke wie die Wiener Karlskirche, der Berliner Dom oder das Reichstagsgebäude als kuppelbekrönte Bauwerke dominante Motive in der visuellen Präsentation einer Stadt geworden sind.

Kuppeln können aus unterschiedlichste Materialien gebaut sein, namentlich Stein, Ziegel, Beton, Holz, und unterschiedlichen Metallen. Die eigentliche Kuppel ist die aus keilförmigen Steinen zusammengesetzte Decke, die den teilweise oder ganz von Mauern umschlossenen Raum frei überspannt.


Die spätantike Pendentifkuppel der Hagia Sophia wurde 537 beendet und setzte für Jahrhunderte Maßstäbe.
Die gebauchte Kuppel des Taj Mahal lässt sich von persischen Vorbildern ableiten, Agra
Tambourkuppel an St. Nikolai am Alten Markt, Potsdam
Aufriss einer Pendentifkuppel mit Tambour. Dom des Heiligen Sava, erbaut 1926–2018.
Kragkuppel im Tholos von El Romeral, Andalusien, (Durchmesser ca. 5,20 m; um 2500 v. Chr.)
Kragkuppel im Schatzhaus des Atreus, Mykene, (Durchmesser ca. 14,60 m; um 1250 v. Chr.)
Kragkuppel im Adinath-Tempel von Ranakpur, Rajasthan, Durchmesser ca. 7,50 m (um 1450 n. Chr.)
Pantheon, Rom (um 120 n. Chr.)
Dom, Florenz (um 1430)
Das ehemalige Pantokratorkloster Istanbuls war die Grabeskirche der Byzantinischen Kaiser. Als Kreuzkuppelkirche besteht der Bau aus vier durch eine Vorhalle verbundenen Kirchen.
Byzantinische Fünfkuppelkirche. Neben der Zentralkuppel stehen vier flankierende Kuppeln in den Ecken über dem rechteckigen Naos. Kloster Gračanica
Vergleich der flachen Kuppel der Hagia Sophia mit einer aus ihren Maßen abgeleiteten im Dom des Heiligen Sava. Neben der höheren doppelschaligen Kalotte hat die später errichtete auch einen Tambour
Kuppel über der Mihrab der Großen Moschee von Kairouan in Tunesien
Dresdner Frauenkirche, eine der größten steinernen Kuppeln der Welt
Die Hauptkuppel der Selimiye-Moschee in Edirne, Türkei
Schema der Lift-Slab Methode die 1989 zur Hebung der 4.000 Tonnen schweren Kuppel des Doms des Heiligen Sava angewandt wurde
Eine nicht begehbare gebauchte „Schirmkuppel“ schließt die beiden Türme der Frauenkirche ab, München. Normalerweise wird der Begriff „Schirmkuppel“ anders gebraucht, nämlich für Kuppeln mit einer radialen Wellung, in der Gotik mit mehreren radialen Rippen