Levante


Levante (altitalienisch levante, mittelfranzösisch levant, „Osten“, „Morgenland“, abgeleitet vom Sonnenaufgang, von lateinisch levare „emporheben, aufgehen“) ist die historische geografische Bezeichnung für die Länder am östlichen Mittelmeer, die östlich von Italien liegen.[1][2]

Im weiteren Sinn sind damit besonders die griechische Halbinsel und die griechischen Inseln in der Ägäis, die mediterranen Küstengebiete der Türkei, Zypern, der Libanon, Palästina, das historische Syrien und Ägypten bezeichnet.

Im engeren Sinn beschränkt sich die Bezeichnung auf die Ostküste des Mittelmeeres und ihr Hinterland, also das Gebiet der heutigen Staaten Syrien, Libanon, Israel, Jordanien sowie der palästinensischen Autonomiegebiete und der türkischen Provinz Hatay. Dies entspricht ungefähr der im Arabischen Asch-Scham (الشام / aš-Šām, „der Norden“) genannten Region zwischen Euphrat und Sinai in Vorderasien.[3]

Als Landverbindung zwischen Afrika und Eurasien war die Levante schon früh von verschiedenen Urmenschen bewohnt. Sie wird oft als Ursprungsgebiet der Neolithischen Revolution bezeichnet, doch passt in diesem Zusammenhang der Begriff Fruchtbarer Halbmond besser, da sich wesentliche Schritte der neolithischen Revolution auch und insbesondere in Mesopotamien (heute Irak) ereigneten.

Schon früh gelang in der Levante der Übergang zur Kultur der Kupferzeit; Bergwerke wie in Timna sind seit ca. 5500 v. Chr. nachgewiesen. In der Antike existierten in der Region verschiedene Völker und Staaten, die jedoch nie zu einer staatlichen Einheit fanden und unter dem Einfluss der benachbarten Reiche, etwa Ägyptens und der Hethiter, standen. Politisch-wirtschaftliche Bedeutung erlangten im Norden der Levante die Phönizier als Händler, Seefahrer und Kolonisatoren des Mittelmeerraumes, während im Süden bei den Israeliten mit dem Judentum und in dessen Folge dem Christentum zwei Weltreligionen entstanden. Seit dem 8. Jh. v. Chr. gehörte die Levante bis auf wenige lokale und/oder zeitliche Ausnahmen zum Neuassyrischen Reich, dem Neubabylonischen Reich, dem Perserreich, dem Alexanderreich und seiner Nachfolger, insbesondere der Seleukiden, sowie schließlich zum Römischen Reich. Als Teil des Oströmischen oder Byzantinischen Reiches wurde die Levante nahezu vollständig christianisiert.

Im 7. Jahrhundert wurde die Levante von moslemischen Arabern im Zuge der islamischen Expansion erobert, Damaskus wurde die Hauptstadt des Kalifats der Umayyaden. In wenigen Jahrhunderten wurde die Region arabisiert, sie blieb jedoch durch starke ethnische und religiöse, v. a. christliche Minderheiten wie die der Aramäer und die der Kopten in Ägypten geprägt. Während der Kreuzzüge gründeten christlich-abendländische Kreuzfahrer seit 1098 eine Reihe von Kreuzfahrerstaaten, die zwischen einem halben und maximal zwei Jahrhunderten Bestand hatten. Das Jahr 1291 gilt mit der Eroberung Akkons durch die in Ägypten herrschenden Mamluken als ihr Ende.


Ungefähre Lage der Levante im engeren Sinne
Teil der Levante in der Antike auf einer Karte aus dem Jahr 1902