Lieferant


Als Lieferant bezeichnet man beim Versendungskauf ein Wirtschaftssubjekt, das einem Kunden Waren oder Dienstleistungen durch Lieferung übergibt oder überlässt.

Das Nomen Agentis Lieferant tauchte ab 1688 in der Schreibweise „von den Livranten“ auf.[1] Das Wort entlehnte die niederdeutsche Kaufmannssprache aus „liefern“ (niederländisch leveren), das Holländische aus französisch livrer und die Französische Sprache aus „aus der Hand geben“ (lateinisch liberare).[2] Der Titel Hoflieferant kam erstmals 1713 für die vom Hof des Königs, Kaisers oder Fürsten verliehenen Privilegien auf, diese exklusiv beliefern zu dürfen.

Als liefernde Wirtschaftssubjekte kommen vor allem Unternehmen, weniger jedoch Privathaushalte oder der Staat in Frage. Beim Präsenzkauf über die Ladentheke bedarf es keines Lieferanten, sondern dieser ist erst beim Versendungskauf erforderlich. Von einem Versendungskauf spricht man, wenn der Lieferant seinen Geschäftssitz nicht am Wohnsitz des Kunden hat. In diesem Fall trägt der Lieferant nach den Lieferbedingungen entweder die Transportkosten lediglich bis zum nächsten Postamt, Bahnhof, Hafen oder Flughafen („unfrei“) oder alle Transportkosten („frei Haus“). Haben Lieferant und Kunde ihren Firmensitz am gleichen Ort (Platzkauf), liegt der Erfüllungsort der Lieferung direkt im Unternehmen des Lieferanten.

Der Lieferant kann der Hersteller oder Händler der Ware sein oder – im weiteren Sinne – in deren Auftrag tätige Frachtführer, Logistikdienstleister oder Postunternehmen. Lieferanten gibt es deshalb auf allen mehrstufigen Lieferketten. An einer Lieferkette sind in der Regel zahlreiche Wirtschaftssubjekte beteiligt, die ihren jeweiligen Beitrag zur Wertschöpfung leisten, bis schließlich das Endprodukt vom Verbraucher gekauft werden kann.[3] Der Zulieferer (Automobilzulieferer) ist in der Zulieferpyramide Lieferant der Fabrik, diese ist Lieferant des Großhandels, dieser ist Lieferant des Einzelhandels und dieser beliefert den Kunden. Dabei kommen oft lieferanteneigene Lieferwagen zum Einsatz. Vorlieferant ist innerhalb einer Lieferkette, wer dem Hersteller Roh-, Hilfs- oder Betriebsstoffe, Halbfabrikate oder Einzelteile liefert.[4] Die Lieferkette wird zur Wertschöpfungskette „Vorlieferant – Lieferant – Hersteller – Handel – Endverbraucher“, wobei in der Volkswirtschaftslehre die jeweiligen Vorleistungen zu bereinigen sind.

Vorlieferanten oder Zulieferer spielen innerhalb einer arbeitsteiligen Lieferkette insbesondere bei der Just-in-time-Produktion eine bedeutende Rolle. Die hierfür erforderliche Zuverlässigkeit der Lieferanten ist Bestandteil der Lieferantenbewertung als einer Methode der Betriebswirtschaftslehre zur systematischen Beurteilung der Leistung von Lieferanten anhand definierter Merkmale.