Literaturkritiker


Ein Literaturkritiker ist ein meist als Journalist für das Feuilleton arbeitender Beobachter der Literaturszene, der vor allem die Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt analysiert, bewertet und darüber berichtet.

Strategisch arbeitende Kritiker, die sich hauptsächlich einer Schule oder Strömung verpflichtet sahen, waren Adolf Bartels für die nationalistisch-völkische Literatur, Friedrich Gundolf für den George-Kreis, Kurt Hiller für den Expressionismus oder der Literaturwissenschaftler Georg Lukács, der den bürgerlichen Realismus als Vorbild betrachtete und die klassische Moderne wie den sozialistischen Realismus angriff. Hermann Bahrs einzigartige Rolle besteht weniger in seiner Funktion als strategischer Kritiker, als vielmehr darin, diese Rolle in gegensätzliche Strömungen – Naturalismus, Symbolismus und Expressionismus – erfüllt zu haben. Der wichtigste analytische Literaturkritiker in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Walter Benjamin. Eine Literaturkritik eigener Prägung gelang Kurt Tucholsky, der emotionale Anteilnahme, pointiert formulierte Gesellschaftskritik, Geschmacksurteil und konzentrierte Werkaussage in seinen Rezensionen verband. Im Gegensatz zu seinen Kollegen war er keiner Schule verpflichtet und war anders als Benjamin nicht an einer theoretischen Fundierung seiner Urteile interessiert. Als sein Gegner auf der politisch entgegengesetzten Seite, nämlich der Konservativen Revolution muss Wilhelm Stapel gesehen werden, der von einem völkischen Standpunkt aus gegen die Literatur der Moderne polemisierte und die Literaturdebatten in den späten 20er Jahren als Gegner der klassischen Moderne prägte. Ähnlich Tucholsky vertrat der Satiriker Karl Krauss eine eigene Literaturkritik, die in Nachfolge Heinrich Heines den Zusammenhang zwischen ästhetischer und ethischer Dimension in der Kunst anerkannte, diese aber durch ihre Gleichsetzung radikalisierte.

Friedrich Sieburg, Hans Egon Holthusen und Günter Blöcker gelten als die bedeutendsten Literaturkritiker in den ersten zwei Jahrzehnten nach 1945. Literaturkritik war ihnen die Bewertung eines autonomen Kunstwerks.[1] Die deutsche Literatur nach 1945 fand nur in geringem Maße ihre Unterstützung. Literaturpolitisch setzten sich Sieburg und Holthusen für Gerd Gaiser ein und trugen zur Rehabilitation von Gottfried Benn bei. Gleichzeitig griffen sie mit Autoren wie Thomas Mann oder Rainer Maria Rilke auf ausgewählte Autoren der Klassischen Moderne zurück, die aufgrund eines subjektzentrierten Autor- und Werkbegriff in ihren Werken einer gesellschaftskritischen Dimension entbehren. Das wichtigste Medium blieb das Feuilleton.