Lydien


Lydien (altgriechisch Λυδία; lateinisch Lydia; auch Mäonien) ist der Name einer Landschaft im Altertum. Sie befand sich an der Mittelmeerküste Kleinasiens in der heutigen Türkei gegenüber den der Küste vorgelagerten Inseln Lesbos, Chios und Samos. Das Gebiet erstreckte sich um das heutige Izmir bis etwa Alaşehir ins Landesinnere. In homerischer Zeit wurde das Gebiet von den Griechen Mäonien genannt. Es wurde vom Volk der Lyder (Mäonen) bewohnt.

Hinsichtlich der Grenzen bestand schon in der Antike Unklarheit.[2] Das ist zum Teil auf die verschiedenen Bezugsobjekte zurückzuführen: Die Grenzen des lydischen Königreichs bzw. Kerngebiets, des lydischen Kulturraumes, des lydischen Großreichs, der persischen Satrapie und der späteren Provinz der Diokletianischen Reform können sich ganz erheblich voneinander unterscheiden. Andererseits ist man auf eine sehr dünne Belegdecke angewiesen (etwa bei den Grenzen des Kulturraumes) und ganz generell auf unklare Beschreibungen.Plinius der Ältere gibt eine knappe und gleichermaßen vage Beschreibung des Landes: Zentrum des Kernlandes waren der Berg Tmolos, an dem die Hauptstadt Sardes lag, der Gygische See (heute: Marmara Gölü) und die umgebende fruchtbare Ebene entlang des Hermos (heute: Gediz). Im Süden grenzte Lydien an Karien, im Osten an Phrygien, im Norden an Mysien und reichte im Westen über Ionien hinaus.[3] Sieht man von der westlichen Grenze zu Ionien ab, so gilt die Beschreibung als korrekt. Konkret gab es keine klaren Grenzlinien, sondern Grenzzonen. Als gesichert kann die Grenzzone im Süden gelten: Im Mäander-Tal siedelten gleichermaßen Lyder und Karier. Im Nordosten, quasi zwischen Lydien, Mysien und Phrygien lag der Berg Dindymos. Die Grenzzone zwischen Lydien und Phrygien wird vermutlich an den Flussläufen zwischen Dindymos und Mäander entlanggelaufen sein, die Grenzzone zwischen Lydien und Mysien vermutlich den Murat Dağı-Zug entlang; wie weit ist unklar. Die Grenze zwischen Ionien und Lydien ist völlig unklar, doch der Sipylos scheint ein Grenzpunkt gewesen zu sein.[4] Ladislav Zgusta rechnet das Küstengebiet dagegen weitgehend zu Lydien, statt zu Ionien; er ist allerdings auch an den kulturellen Ursprung von Orten und weniger der politisch-rechtlichen Situation interessiert.[5]

In der Vergangenheit wurden sehr unterschiedliche, in sich uneinheitliche Periodisierungsschemata verwendet, in denen sich archäologische und historische Kategorien abwechselten.[6] Roosevelt hat in jüngerer Zeit ein einheitliches Schema entwickelt, um den methodischen Schwierigkeiten zu begegnen.[7] Dieses Schema soll hier verwendet werden, leicht angepasst, um dem erweiterten Rahmen gerecht zu werden.


Kleinasien in der Antike
Ausdehnung des Herrschaftsgebietes Lydiens in der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. unter König Kroisos. Die rote Grenzlinie zeigt eine leicht abweichende Fassung des rekonstruierten Grenzverlaufs.[1]
Lydische Elektron-Trite (⅓ Stater), frühes 6. Jahrhundert. Av: Löwenkopf mit aufgerissenem Rachen nach rechts und „Augenwarze“ (oder Sonne). Rv: Zwei Quadrata incusa. 4,71 g.