Mauerziegel


Der Mauerziegel, in der Fachsprache kurz Ziegel (von lat. tegula „Dachziegel“: von tegere „bedecken“), sinnverwandt Backstein[1][2] und Ziegelstein genannt, ist ein aus keramischem Material künstlich hergestellter Stein, welcher im Bauwesen zum Mauerwerksbau genutzt wird. Die Anordnung der Ziegel in einer Mauer, ihr Verband, kann dabei unterschiedlich gestaltet sein.

Der Lehmziegel ist das älteste vorgefertigte Bauelement; er wird aus tonhaltigem Lehm geformt und in Öfen gebrannt. Die Bezeichnung „Ziegelstein“ ist weit verbreitet, aber insofern laienhaft, als „Steine“ nicht gebrannt werden, Ziegel hingegen schon. Im übertragenen Sinn wird der Begriff „Ziegel“ für sonstige quaderförmige Gegenstände wie Lehmziegel und Adobe benutzt, gleichfalls für gebrannte Steine in anderer Form wie Dachziegel (v. a. im süddeutschen und Schweizer Raum, wo mit „Ziegel“ üblicherweise nur Dachziegel bezeichnet werden und nicht Mauerziegel; diese werden als Backsteine bezeichnet).

Der Begriff „Backstein“ steht bevorzugt für die mittelalterlichen Bauten, wird aber hauptsächlich im süddeutschen und Schweizer Raum für Mauerziegel gebraucht (wo mit Ziegel üblicherweise nur Dachziegel gemeint sind). Auch in Berlin, Hamburg, Sachsen und im Ruhrgebiet wird der Begriff durch den oft stadtbildprägenden Backsteinexpressionismus allgemeiner verwendet. Einfache Backsteine aus Lehm können bei nur 900 °C in Ziegeleien gebrannt („gebacken“) werden. Sie sind mechanisch nicht sehr stabil und offenporig, weshalb sie relativ viel Wasser aufnehmen können. Deshalb werden sie üblicherweise verputzt, um die Wetterfestigkeit zu verbessern. Der aus Ton (statt Wiesenlehm) bei höheren Temperaturen gebrannte „Tonziegel“ ist härter und gilt als beständiger.

Feldbrandziegel sind vorindustrielle, handgeformte Ziegel, die ohne festen Ofen in einem eigens errichteten Meiler durch Verfeuerung von Holz oder Kohle gebrannt wurden. Die in Europa bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts hergestellten Feldbrandziegel werden heute aus Altbeständen vornehmlich bei der Restaurierung historischer Gebäude verwendet.

Klinker sind Produkte aus „blauem“ Ton, die reicher an Alumosilikaten sind. Aufgrund des höheren Silikatgehaltes werden sie bei 1200 °C gebrannt. Durch die starke Versinterung nehmen sie weniger Wasser auf, sind frost- und insgesamt wetterbeständiger. Sie werden deshalb meist unverputzt oder als Pflaster-Klinker eingesetzt, abhängig vom Eisengehalt verleihen sie daher einem Bau das typische Aussehen von gelben über rote bis braune Nuancen. Die mögliche Brenntemperatur ist vom Ausgangsmaterial abhängig, da der Rohling zwar sintern, aber nicht formverändernd weich werden darf.


Geziegelter Wasserturm (Quetzin, Plau am See)
unverputztes Mauerwerk im unregelmäßigen Verband
Tonnengewölbe mit Kettenbogen-Querschnitt aus luftgetrockneten Lehmziegeln, Lagerräume des Ramesseums in Luxor, 13. Jh. v. Chr.
Römische Ziegel in quadratischer Form
Aus stark gemagertem brique de sable: Tour du Guet (Wachturm) in Calais
Giebelhäuser (Amsterdam)
Güterbahnhof (Völklingen, Saarland)
Industriearchitektur mit Klinkerfassade (ehemaliges Kraftwerk Vockerode)
Die Shah-Jahan-Moschee in Thatta (Pakistan) ist der einzige Bau der Mogul-Architektur mit Sichtmauerwerk aus Ziegelsteinen.
Ziegelstein-Herstellung (um 1568)
Gelagerte Ziegel in einer Ziegelei
Gewölbe des römischen Bades (Bath, England)
Glasierte Backsteine am Lübecker Rathaus
Modularer Aufbau üblicher Ziegelformate
Ziegelwohnhaus (Madrid)