Mesopotamien


Mesopotamien (von altgriechisch Μεσοποταμία Mesopotamía) oder Zweistromland[1] bezeichnet die Kulturlandschaft in Vorderasien, die durch die großen Flusssysteme des Euphrat und Tigris geprägt wird.

Zusammen mit Anatolien, der Levante im engeren Sinne und dem Industal gehört es zu den wichtigen kulturellen Entwicklungszentren des Alten Orients. Mit der Levante bildet es einen großen Teil des sogenannten Fruchtbaren Halbmonds, in welchem sich Menschen erstmals dauerhaft niederließen. Es entwickelten sich Stadtstaaten, Königreiche – Neuerungen für die Menschheit mit den Erfindungen der Schrift, der ersten Rechtsordnung, der ersten Menschheitshymnen, des Ziegelsteins, des Streitwagens, des Biers und der Keramik: Evolutionen in der Stadtentwicklung, Kultur- und Technikgeschichte. Im Süden mit den Sumerern, durchsetzt von gutäischen Königsdynastien, entwickelte sich die erste Hochkultur der Menschheitsgeschichte. Ihnen folgten die Akkader, Babylonier, im Norden das Königreich Mittani, in Mittelmesopotamien die Assyrer, dann das medische Königreich, welches das assyrische Großreich in einer Union mit den Babyloniern eroberte. Die Meder hatten fast 200 Jahre ein Großreich inne, ehe mit den Persern erstmals eine außerhalb Mesopotamiens entstandene Kultur dauerhafte Kontrolle über die Region erlangte. Auf die Perser folgten die Makedonier, Parther, Sassaniden, Araber und schließlich die Osmanen, deren Herrschaft im 17. Jahrhundert durch die persischen Safawiden kurzzeitig unterbrochen wurde.

Das vor allem in seiner Wasserverfügbarkeit höchst unterschiedliche Land bot den dort lebenden Menschen zu allen Zeiten höchst unterschiedliche Siedlungsvoraussetzungen, die massiven Einfluss auf die historische Entwicklung nahmen.

Der Begriff Mesopotamien geht angeblich auf Alexander den Großen zurück, der damit das Land „zwischen den Flüssen“ (griechisch: μέσο ποταμοι, méso potamói) Euphrat und Tigris nördlich des heutigen Bagdad bis zur Südflanke des Taurusgebirges bezeichnete. Mesopotamia hieß daher im Altertum zumeist nur der nördliche Teil des Gebietes, während der südliche Babylonia genannt wurde. Der einzige überlieferte Text aus der Antike, der den Begriff Mesopotamia auf das gesamte Gebiet von den Quellen bis zum Persischen Golf bezieht, stammt von Claudius Ptolemäus. Sein Werk, die Geographike Hyphegesis, entfaltete in Antike und Mittelalter aber eine so große Wirkung, dass seine Definition auch heute verwendet wird: Wenn von Mesopotamien gesprochen wird, meint man heute meist die gesamte Region, von der Südosttürkei bis zum Persischen Golf.


Mesopotamien innerhalb der heutigen Staatsgrenzen
Die auf Englisch als Mesopotamian shrub desert bezeichnete Ökoregion. Der historische Begriff Mesopotamische Wüste ist nicht genau definiert und überschneidet sich zu großen Teilen mit der Syrischen Wüste.
Eine schematische Chronologie der verschiedenen Herrschaftsperioden Mesopotamiens von Uruk bis zur persischen Herrschaft unter Berücksichtigung der Daten der mittleren Chronologie in englischer Sprache.
Frühe Anfänge der Kulturen wurden in Jarmo (als roter Kreis, ca. 7500 v. Chr.) nachgewiesen. Weitere Zivilisationen Mesopotamiens des 7.–5. Jahrtausends v. Chr. waren die Hassuna-Kultur (hellgelber Kreis) im Norden, die Halaf-Kultur (grüner Kreis) im Nordwesten, die Samarra-Kultur (lila Kreis) in Zentralmesopotamien und die Obed-Kultur (dunkelgelber Kreis) im Südosten, die sich später auf die gesamte Region ausdehnte.
Assyrisches Reich