Milchstraße


Die Milchstraße, auch Galaxis, ist die Galaxie, in der sich das Sonnensystem mit der Erde befindet. Entsprechend ihrer Form als flache Scheibe, die aus Hunderten von Milliarden Sternen besteht, ist die Milchstraße von der Erde aus als bandförmige Aufhellung am Nachthimmel sichtbar, die sich über 360° erstreckt. Ihrer Struktur nach zählt die Milchstraße zu den Balkenspiralgalaxien.

Den Namen Milchstraßensystem trägt das Sternsystem nach der Milchstraße, altgriechisch γαλαξίας (κύκλος) galaxías (kýklos), zu γάλα gála „Milch“,[7] die als freiäugige Innenansicht des Systems von der Erde aus wie ein quer über das Firmament gesetzter milchiger Pinselstrich erscheint. Dass dieses weißliche Band sich in Wirklichkeit aus unzähligen einzelnen Sternen zusammensetzt, wurde von Demokrit behauptet und in der Neuzeit 1609 von Galileo Galilei erkannt, der die Erscheinung als Erster durch ein Fernrohr betrachtete. Die Milchstraße besteht nach heutiger Schätzung aus ca. 100 bis 400 Milliarden[3] Sternen.

Eine antike griechische Sage versucht, diesen Begriff mythologisch zu erklären: Danach habe Zeus seinen Sohn Herakles, den ihm die sterbliche Frau Alkmene geschenkt hatte, an der Brust seiner göttlichen Frau Hera trinken lassen, als diese schlief. Herakles sollte auf diese Weise göttliche Kräfte erhalten. Aber er saugte so ungestüm, dass Hera erwachte und den ihr fremden Säugling zurückstieß; dabei wurde ein Strahl ihrer Milch über den ganzen Himmel verspritzt.

In der Spätantike wurde die Milchstraße von den Manichäern als „Säule der Herrlichkeit“ bezeichnet, da durch sie das in der Welt gefangene Licht wieder in die Lichtheimat, aus der es einst kam, zurückkehren konnte. Im Persien dieser Zeit, wo die einstige Weltreligion entstand, war sie als vom Horizont ausgehende nach oben gerichtete Lichtsäule zu sehen.[8]

Einer germanischen Sage zufolge erhielt die Milchstraße nach dem Gott des Lichtes, Heimdall, auch Iring genannt, den Namen Iringsstraße.[9] Die afrikanischen San gaben der Milchstraße den Namen „Rückgrat der Nacht“.


Die Milchstraße als flockige Spiralgalaxie auf Basis des dritten Datensatzes der Raumsonde Gaia[6]
Die Gestalt der Milchstraße, wie sie Wilhelm Herschel 1785 aus Sternzählungen herleitete. Das Sonnensystem wurde – bedingt durch die interstellare Extinktion – von ihm noch im Zentrum angenommen.
Eine 360°-Panoramaaufnahme des Sternhimmels zeigt das Band der Milchstraße als Bogen, aufgenommen im Death-Valley-Nationalpark
Teil der Milchstraße auf einer astronomischen Zeichnung des 19. Jahrhunderts (Trouvelot, 1881)
Infrarotaufnahme des Milchstraßensystems durch den Satelliten COBE. Scheibe und zentrale Ausbeulung sind erkennbar.
Darstellung der Milchstraße als ebenmäßige Spiralgalaxie, wie sie bis in die 1990er Jahre verbreitet war
Schema der beobachteten Spiralarme des Milchstraßensystems (siehe Text)
Die Milchstraße in Richtung des Sagittarius-Arms, rechts der Eta-Carinae-Nebel NGC 3372, eine H-II-Region
Ein 900 Lichtjahre breiter Ausschnitt der Zentralregion des Milchstraßensystems
Fotomosaik des gesamten Milchstraßenbandes
Die hellsten Sterne in der Umgebung der Sonne (entfernungstreue Abbildung mit Rektaszension; Deklination vernachlässigt)
Die direkte Umgebung der Sonne (ca. 2200 Lj. × 1800 Lj.)
Begleitergalaxien des Milchstraßensystems
Beobachtung des Zentrums der Milchstraße unter Verwendung einer Vorrichtung zur Erzeugung eines künstlichen Leitsterns am Paranal-Observatorium