Myrmekochorie


Die Myrmekochorie (Ameisenausbreitung), auch Myrmecochorie oder Myrmechorie(von griechisch μύρμηξ, μύρμηκος, (mýrmēx, Genitiv: mýrmēkos) „Ameise“ und χωρεῖν (chōrein) „sich verbreiten“), ist ein Ausbreitungsmechanismus von Pflanzen, der sich Ameisen zum Transport der Diasporen (Früchte, Samen oder Sporen) bedient. Zahlreiche Frühlingsblüher greifen auf diesen Ausbreitungsmechanismus zurück.[1] Die Myrmekochorie ist eine Unterform der Zoochorie, die häufig in Kopplung mit anderen Ausbreitungsstrategien auftritt. Viele Veilchen und Stiefmütterchen nutzen die Ballochorie, die explosionsartige Streuung von Samen, zuerst und vertrauen darauf, dass Ameisen ihre Samen weiter weg tragen.

Die Myrmekochorie ist vor allem bei krautigen Waldpflanzen auf der nördlichen Halbkugel weit verbreitet, kommt aber auch in den Tropen vor. Über 3000 Pflanzenarten sind bekannt, die von dieser Verbreitungsform Gebrauch machen.[2] Zu den myrmekochoren Pflanzen zählen das Schneeglöckchen, das Leberblümchen, das Schöllkraut, das Frühlings-Adonisröschen und sogar Gehölze wie Buchs und Besenginster. Auch die Walderdbeere wird teilweise myrmekochor ausgebreitet, sie bietet den Ameisen ihre süßen fleischig gewordenen Blütenböden, die man als Erd„beeren“ kennt, in denen die Nüsschen eingebettet sind.

Die Diasporen von myrmekochoren Pflanzen haben ein nährstoffreiches Anhängsel, ein Elaiosom, als Lock- und Nährkörper. Das Elaiosom ist allein für den Verzehr bestimmt. Ameisen verschleppen die Diasporen aufgrund ihrer Elaiosom-Anhängsel in ihren Bau und trennen dort das Elaiosom von der Diaspore. Was weiter geschieht, hängt von der Beschaffenheit der Diaspore und der Ameisenart ab. Die Samen der Palisaden-Wolfsmilch zum Beispiel bieten nach Abfressen des Elaiosoms für kleine Ameisenarten keinen Angriffspunkt zum Abtransport und bleiben im Nest. Die Samen des Stechpalmen-Kreuzdorns andrerseits haben „Henkel“ und können daher leicht aus dem Nest transportiert werden.[3] Vielfach deponieren die Ameisen den Samen als Abfall in unmittelbarer Nähe des Nestes auf einer „Müllhalde“. Der Vorteil einer solchen Ausbreitungsweise ist zum einen ein gut gedüngter und geschützter Keimplatz, zum anderen wird der Samen beim Abfressen des Elaiosoms meist verletzt und damit die Keimung erleichtert.


Ameise beim Transport einer normalerweise anemochor ausgebreiteten Frucht (vermutl. eine Achäne)
Viola chelmea Diasporen bestehen aus hartschaligen Samen und angehefteten Elaiosomen
Das Leberblümchen zählt zu den myrmekochoren Pflanzen