Naturdenkmal


Ein Naturdenkmal (abgekürzt: ND) ist ein natürlich entstandenes Landschaftselement, das unter Naturschutz gestellt ist. Es kann ein einzeln stehendes oder vorkommendes Gebilde wie eine Felsnadel oder ein einzeln stehender Baum sein, undefinierten Umfangs wie eine Höhle oder ein Gebiet oder Gebilde mit einer beschränkten Fläche und einer klaren Abgrenzung von seiner Umgebung wie ein Felsengarten oder eine Wiese; letztere werden als flächenhaftes Naturdenkmal oder Flächennaturdenkmal (abgekürzt: FND) bezeichnet.

Das Naturdenkmal – ein Begriff, den Alexander von Humboldt in der Beschreibung seiner Amerikareise „Relation historique“[1] benutzt: „monuments de la nature“,[2][3] dennoch konnte der Begriff „Naturdenkmal“ in Wörterbüchern oder Lexika vor 1900 nicht nachgewiesen werden – wird oft als Naturschöpfung bezeichnet, kann jedoch gleichzeitig Zeuge der historischen Kulturlandschaft sein (markante gepflanzte Einzelbäume oder Aufschlüsse mit besonderen geologischen Bildungen).

Nachdem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland der Naturschutzgedanke aufgekeimt war, verfasste im Jahr 1900 der Botaniker Hugo Conwentz den ersten Band eines Nachweises „der beachtenswerthen und zu schützenden urwüchsigen Sträucher, Bäume und Bestände im Königreich Preußen“[4], der Kandidaten für schützenswerte Naturdenkmäler inventarisierte.[3] Im Jahr 1904 verfasste Conwentz eine Denkschrift mit dem Titel Die Gefährdung der Naturdenkmäler und Vorschläge zu ihrer Erhaltung, die er bei dem Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten einreichte. Sie enthielt eine umfassende Definition des Begriffs Naturdenkmal, zu dem flächenhafte Elemente der Natur, „Landschafts-“ und „Lebenszustände“ zählten. Conwentz war es auch, der die Leitung der 1906 im damals preußischen Danzig eingerichteten ersten Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege übernahm.

Artikel 150 der Weimarer Verfassung reihte den Schutz der Naturdenkmäler in den Schutz der Kultur- und Geschichtsdenkmäler ein.[3] Das Reichsnaturschutzgesetz (RNG) von 1935 sah neben dem Tier-, Pflanzen- und Naturschutz den Schutz von Naturdenkmälern vor. Bis 1940 wurden knapp 50.000 Naturdenkmäler ausgewiesen. Der in der Zeit des Nationalsozialismus ideologisch aufgeladene Naturschutz geriet jedoch immer wieder in Konflikt mit der höher priorisierten Intensivierung der Landwirtschaft und Ausbau von Verkehrswegen (→ Naturschutz im Nationalsozialismus). In der Bundesrepublik Deutschland löste 1976 das Bundesnaturschutzgesetz das RNG ab und regelt seitdem den Schutz von Naturdenkmalen (siehe Abschnitt #Deutschland).[3]

In der 1978 erstellten Schutzgebiets-Systematik der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN), der als internationaler Vergleichsmaßstab dient, bildet Natural Monument or Feature (deutsch meist Naturdenkmal) die Kategorie III.


Hinweisschild Naturdenkmal am Stamm des Ginkgo in Rödelheim in Frankfurt am Main
Der Brunnenpark in Hofgeismar ist als flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesen
Naturdenkmal 350-jährige Eiche auf dem Platnersberg in Nürnberg (2017)
Kennzeichnung eines Naturdenkmals in Österreich nach dem Reichsnaturschutzgesetz 1935
Naturdenkmal in Tirol