Reinvermögen


Das Reinvermögen (auch Nettovermögen, englisch net worth, net assets) ist in der Finanzbuchhaltung und Wirtschaftswissenschaft der Saldo (d. h. die Differenz) zwischen dem auf der Aktivseite einer Bilanz ausgewiesenen Vermögen (Bruttovermögen) und den auf der Passivseite ausgewiesenen Verbindlichkeiten (Schulden) eines Unternehmens. Da sich das Bruttovermögen aus Zahlungsmittelbeständen + sonstigen Forderungen + Sachvermögenbeständen zusammensetzt und der Saldo „Nettogeldvermögen“ als Zahlungsmittelbestände + sonstige Forderungen - Verbindlichkeiten definiert ist, ergibt sich das Reinvermögen auch aus Nettogeldvermögen + Sachvermögen.[1]

Das Reinvermögen entspricht in dieser Form dem Eigenkapital, welches – als Saldo von Bruttovermögen und Schulden – die Residualgröße in der Bilanz darstellt.[2] Zum Reinvermögen – und Eigenkapital – werden alle Gewinnanteile hinzugerechnet, auf deren Ausschüttung die Gesellschafter endgültig verzichtet haben.[3] Nicht zum Eigenkapital und Reinvermögen gehören die aus Gewinnen gebildeten Rückstellungen. Diese vermindern das Reinvermögen, weil sie zu den Verbindlichkeiten gerechnet werden. Der Begriff des Reinvermögens taucht jedoch nicht nur bei Unternehmen auf, sondern auch bei anderen Vermögensträgern. Auch andere Wirtschaftssubjekte wie Privathaushalte (Private Finanzplanung) oder der Staat mit seinen Untergliederungen (öffentlicher Haushalt) ermitteln ihr Reinvermögen durch Subtraktion des Privatvermögens bzw. des Staatsvermögens von den Schulden bzw. Staatsschulden.

Reinvermögen ist ein Rechtsbegriff, der in verschiedenen Teilgebieten des Rechts vorkommt (z. B. § 92 GenG). Da es an einer Legaldefinition fehlt, handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff. Auch das BVerwG definiert ihn als Restgröße zwischen Bruttovermögen und Schulden.[4] Bei den Kapitalerhaltungsregeln kommt es darauf an, dass bei der GmbH für Zwecke des Gläubigerschutzes das geschützte Vermögen nicht an die Gesellschafter ausgezahlt werden darf. Dazu ist erforderlich, dass das Stammkapital mit dem gesellschaftlichen Reinvermögen verglichen werden muss.[5]

Im Insolvenzrecht hängt die Insolvenzantragspflicht davon ab, ob überhaupt noch gesellschaftliches Reinvermögen vorhanden ist. Ist das Reinvermögen im Überschuldungsstatus negativ, liegt ein Insolvenzgrund unabhängig von einer positiven oder negativen Fortführungsprognose vor.[6] Keine Insolvenzantragspflicht besteht umgekehrt bei positivem Reinvermögen und negativer Fortbestehensprognose und positivem Reinvermögen und positiver Prognose.[7]


Reinvermögen nach Sektoren der deutschen Volkswirtschaft.