Okzitanische Sprache


Okzitanisch (okzitanisch occitan [utsiˈtɒ] / lenga d’òc [leŋgɔˈðɔ], französisch occitan / langue d’oc) ist neben Französisch die zweite romanische Sprache, die sich in Gallien aus dem Vulgärlatein entwickelt hat. Die Varietäten (Dialekte) des Okzitanischen, das im Gegensatz zum Französischen über keine einheitliche Schriftsprache verfügt, werden hauptsächlich im südlichen Drittel Frankreichs und einigen kleineren Gebieten in unmittelbarer Nachbarschaft gesprochen.[1] Als Amtssprache ist Okzitanisch nur im Val d’Aran im spanischen Katalonien in seiner aranesischen Variante anerkannt.

In Frankreich ist seit dem Edikt von Villers-Cotterêts von 1539 Französisch alleinige Amtssprache, während Okzitanisch lediglich zu den vom Staat erst 1999 mit einigen Einschränkungen anerkannten Regional- und Minderheitensprachen gemäß der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen gehört.

Das Okzitanische bzw. seine regionalen Mundarten und Schriftsprachen wurden in früheren Jahrhunderten in französischen wie ausländischen Schriften verallgemeinernd auch als Gaskognisch und Provenzalisch oder auch als Mundarten (patois) des Französischen bezeichnet.

Okzitanisch ist von òc, der okzitanischen Bejahungspartikel, abgeleitet, die aus dem Neutrum hŏc[2] („dieses“) des lateinischen Demonstrativpronomens hĭc („dieser“) entstanden ist. Unter den galloromanischen Sprachen werden die Varietäten des Okzitanischen als Langue d'òc von der oder den Langue(s) d’oïl Nordfrankreichs abgegrenzt. Letztere sind nach der altfranzösischen Bejahungspartikel oïl benannt, die vom lateinischen hŏc ille abgeleitet ist.[3][4] Von der Sprachbezeichnung langue d’oc kommt auch der Name der Region Languedoc, die jedoch nur einen Teil des okzitanischen Sprachgebietes bildet. Die heute übliche deutsche Bezeichnung der südfranzösischen Sprache als Okzitanisch ist vom okzitanischen bzw. französischen Wort occitan abgeleitet. Dieses geht auf die seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts belegten mittellateinischen Begriffe lingua occitana oder occitanica zurück.[5]

Im Französischen erscheinen zu Beginn des 19. Jahrhunderts erstmals vereinzelte Belege für die Bezeichnungen occitan (1819) und occitanique (1802), aber erst mit der programmatischen Wiederbesinnung auf eine „okzitanische“ Kultur und Sprache, besonders seit der Gründung der Ligue Occitane von 1897, konnte sich das Wort occitan im Sprachgebrauch allmählich etablieren.[6]

Das Okzitanische ist eine eigenständige galloromanische Sprache, und seine Varietäten sind keine Mundarten (patois) des Französischen, wie selbst in Frankreich hin und wieder fälschlich angenommen wird.


Demonstration für Okzitanisch als Schul- und Amtssprache. Carcassonne, 22. Oktober 2005
„Occitanische Sprache” in Rezension zu: “Recueil de Poëtes Gaſcons avec le dictionnaire de la langue Toulouſaine. Part I, II & III à Amſterdam; 1700” In Monathlicher Auszug aus allerhand neu-heraußgegebenen nützlichen und artigen Büchern. Hrsg. J. Gg. von Eckart. Hannover: Förster. October MDCC.
Karte der Sprachen und Dialekte Frankreichs; rot die okzitanischen Varietäten (Dialekte)
Straßenschilder in französischer (oben) und in okzitanischer Sprache (unten) in Toulouse
Ortsschild für Marseillan auf Französisch und Okzitanisch. Das okzitanische Wappen und die Farben (rot und gold) erscheinen auf dem Zeichen.
Die Dialekte des Okzitanischen nach Frédéric Mistral