Osmanische Sprache


Das osmanische Türkisch (auch Türkei-Türkisch,[2][3][4] türkisch Osmanlı Türkçesi, Eigenbezeichnung تركچه Türkçe und تركی Türkî, ab der Tanzimat mit dem Aufkommen des Osmanismus لسان عثمانى lisân-i Osmânî oder عثمانلیجه Osmanlıca)[5] war jene Ausprägung der türkischen Sprache, die für administrative und literarische Zwecke im Osmanischen Reich verwendet wurde. Osmanisch basiert auf dem Anatolischtürkischen (Oghusisch) und nahm gegen Ende des 15. Jahrhunderts in immer stärkerem Maß arabische und persische Elemente auf.[6] Osmanisches Türkisch war die Amts- und Literatursprache des Osmanischen Reichs, die sich in Anatolien entwickelte, nachdem diese Region ab dem 11. Jahrhundert von Türken (Oghusen) besiedelt worden war, und ist eine Varietät des Westoghusischen.[7]

Die Anwendung des dynastischen und politischen Terminus „Osmanisch“ für die offizielle Sprache des osmanischen Staates war eine der Erneuerungen während der Reformperiode (Tanzimat) ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Staat als Grundlage eines modernisierten osmanischen Staates in der Bevölkerung das Gefühl einer gemeinsamen osmanischen Identität zu fördern versuchte.[8]

Wie in fast allen Turksprachen gilt im osmanischen und modernen Türkisch die palatale Vokalharmonie. Die Palatalharmonie besagt, dass nach einem hellen Vokal (e, i, ö, ü) nur ein heller Vokal folgen kann, nach einem dunklen Vokal (a, ı, o, u) nur ein dunkler.

Die labiale Vokalharmonie (Labialharmonie), im modernen Türkisch zur Regel erhoben, wurde im osmanischen Türkisch jedoch oft nicht angewendet. Die Labialharmonie besagt, dass nach einem hellen runden Vokal (ö, ü) nur ein geschlossener runder heller Vokal (ü) folgen kann. Nach einem dunklen runden Vokal (o, u) folgt der geschlossene dunkle runde Vokal (u). Nach hellem breitem Vokal (e, i) folgt ein geschlossener heller breiter (i), nach dunklem breitem Vokal (a, ı) folgt ein geschlossener dunkler breiter (ı).[10] Beispiele: ايو eyü, heute iyi ‚gut‘; قاپو ḳapu, heute kapı ‚Tür‘; كوپرى köpri, heute köprü ‚Brücke‘; آيو ayu, heute ayı ‚Bär‘; كلُر gelür, heute gelir ‚er kommt‘; كرو gerü, heute geri ‚zurück‘; ييدُڭ yėdüñ, heute yedin ‚du hast gegessen‘; اناطولى Anaṭolı, heute Anadolu ‚Anatolien‘.

Für die Praxis der gesprochenen Sprache ist allerdings zu beachten, dass das osmanische Türkisch eine historische Orthographie aufwies, das heißt, dass die tatsächliche Aussprache von der Schrift abweichen konnte. Tatsächlich bildete sich in der osmanischen Zeit in der gepflegten Istanbuler Aussprache die strikte Befolgung von Palatal- und Labialharmonie heraus, die mit der Einführung der Lateinschrift zur orthographischen Regel erhoben wurde. Diesen Unterschied zwischen dem osmanischen und dem modernen Türkischen darf man daher nicht dahin missverstehen, dass sich die Aussprache beim Übergang vom osmanischen zum modernen Türkischen geändert hätte.


Inschrift (hitabe) an der ehemaligen Meçite-Moschee in Gjirokastra, Albanien
Inschrift am historischen Melek-Pascha-Brunnen in Chios, Griechenland