Parteienspiele


Unter dem Gattungsbegriff Parteienspiele (von lateinisch pars = Teil) versteht die Spielwissenschaft einfache Spielformen, an denen zwei oder mehr Gruppen von Spielern (Spielparteien) beteiligt sind, die sich aus einer größeren Spielgemeinschaft ausgliedern. Sportwissenschaft[1] und Spielpädagogik[2] unterscheiden dabei zwischen Parteienspielen und Mannschaftsspielen. Handelt es sich um Ballspiele unter Parteienbildung, spricht man von ‚Parteiballspielen’. Die Parteienbildung kann über eine Wahl, über eine Zufallseinteilung oder auch über präformierte Einheiten (Klassen, Gruppen) geschehen.

Parteienspiele haben ihren Ursprung in den volkstümlichen Spielen, die in zahlreichen Formen und Varianten in fast allen Regionen der Erde durch die Spielforschung nachgewiesen wurden:[2] Sie sind aus dem griechisch-römischen Kulturkreis überliefert, finden sich aber auch im alten Ägypten, bei den Maya und Azteken in Mittelamerika oder bei den Papua in Neuguinea. Im europäischen Mittelalter als nichtsnutzig und gottlos verboten, erlebten sie unter den Philanthropen in der Neuzeit im Rückgriff auf die griechische Antike eine Auferstehung und in den Jahnschen Turnspielen eine Hochblüte.[3] Seitdem haben sie sich über wechselvolle Zeiten unter spezieller Wertschätzung im Nationalsozialismus erhalten und gehören heute zum festen Bestandteil des Spiellebens in Schulsport, Vereinen und Freizeitaktivitäten. Die spezielle Gattungseinteilung und Spielbezeichnung erfolgte erst im Zuge der Systematisierung des Spielbestands durch Spielpädagogen wie Vieth, Pestalozzi, Fröbel,[4] Guts Muths[5] und Jahn[6].

Parteienspiele erhielten ihren Namen nach der formalen Einteilung der Mitspieler für das Spielgeschehen. Sie sind einfach strukturiert. Wenige Regeln genügen für ein funktionierendes Spiel. Im Unterschied zu den Mannschaftsspielen verzichten Parteienspiele auf eine differenzierte Aufgabenteilung und Funktionszuweisung der Mitspieler. Spielparteien stellen lediglich kleine Gemeinschaften dar, die sich in verschiedenen Spielfeldern gegenüberstehen und auf ein sie verbindendes Spielziel ausgerichtet sind. Sie treten gemeinsam gegen eine andere Spielpartei im Spiel an, um sie nach vereinbarten Regeln zu besiegen.

Dabei kommen Parteienspiele im Gegensatz zu den stärker ausdifferenzierten Mannschaftsspielen ohne ausgeklügelte Strategien und Trainingsmaßnahmen aus. Sie erfordern keine Spezialfertigkeiten und stellen keine hohen technischen Anforderungen. Jeder kann deshalb nach einer kurzen Regelabsprache und Zielvorgabe sofort mitspielen und sich einbringen. Spielfeldmaße, Spielgeräte, Regelwerk, Teilnehmerzahl, Ablaufvarianten sind nach Bedarf und Übereinkommen jederzeit veränderbar.[2]