Passiva


Unter Passiva (Singular Passivum, von lateinisch pati ‚untätig sein, leiden‘) versteht man die Summe des einem Unternehmen zur Verfügung gestellten Kapitals, das auf der rechten Seite einer Bilanz zu finden ist. Sie lassen erkennen, aus welchen Kapitalquellen die Vermögenswerte des Unternehmens finanziert wurden.[1] Diese sind auf der linken Seite der Bilanz gelistet und bilden die Aktiva.

Bilanz- und gesellschaftsrechtlich bildet die Summe aller Passiva das Kapital eines Unternehmens.[2]

Von Passivierung spricht man, wenn ein Bilanzposten auf der Passivseite verbucht wird. Dabei ist zu unterscheiden, ob die Passiva einer Passivierungspflicht, einem Passivierungswahlrecht oder einem Passivierungsverbot unterliegen. Grundsätzlich besteht Passivierungspflicht, also die gesetzlich vorgeschriebene Verpflichtung eines bilanzierenden Unternehmens, alle Eigenkapital- und Fremdkapitalposten in die Passivseite der Bilanz aufzunehmen. Ausnahmsweise bestehen Wahlrechte (für bestimmte Pensionsrückstellungen) und Passivierungsverbote (für alle nicht in § 249 HGB aufgezählten Rückstellungen).

Die Buchhaltung führt die Endbestände der Passiv- und Aktivkonten zusammen, die Gegenüberstellung der Passiva mit den Aktiva zu einer kontenmäßigen Einheit heißt Bilanz. Hierin sind die Summen der Aktiva und der Passiva (Bilanzsumme) formal identisch, dies ist ein wesentliches Merkmal einer Bilanz.[3] Der so gefasste Bilanzbegriff unterscheidet sich vom Kontobegriff nur darin, dass man beim Konto von Soll und Haben spricht.

Die drei Bilanzprinzipien der Bilanzwahrheit, Bilanzklarheit und Bilanzkontinuität gelten sowohl für Aktiv- als auch Passivseite. Aus Gründen des Vorsichtsprinzips und des damit einhergehenden Gläubigerschutzes können bestimmte Teile der Passiva (insbesondere Rückstellungen) im Rahmen des Niederstwertprinzips überbewertet werden, Aktiva werden hingegen unterbewertet. Überbewertung bedeutet, dass den als Verbindlichkeiten anzusehenden Rückstellungen in den Grenzen der vernünftigen kaufmännischen Beurteilung ein höherer Rückzahlungsbetrag beigemessen werden kann, der der wahrscheinlichen Inanspruchnahme des Unternehmens durch einen Dritten entspricht.

Der Begriff Passivseite ist ein bestimmter Rechtsbegriff, der im Gliederungsschema des § 266 Abs. 3 HGB erwähnt wird. Danach besteht die Passivseite auf der ersten Gliederungsebene abschließend aus Eigenkapital und Verbindlichkeiten, zu denen Rückstellungen, Verbindlichkeiten, Rechnungsabgrenzungsposten und passive latente Steuern gehören.