Praetur


Die Praetur (lateinisch praetura; eingedeutscht auch Prätur) war der Gerichtsmagistrat. Er übte eines der höheren Ämter der römischen Ämterlaufbahn, des cursus honorum aus. Im Regelfall war es das dritte Amt nach der Quästur und der Ädilität. Die Amtsinhaber wurden praetores (Prätoren) genannt. Sie wurden während der Zeit der Republik vom Volk in den Zenturiatskomitien für die Dauer von einem Jahr gewählt, ab der Kaiserzeit vom Senat bestimmt, ab der Spätantike zudem gelegentlich noch flankiert vom Kaiser.

Der Gerichtsmagistrat durfte Rechtsregeln aufstellen und Verfahrensvorschriften (edictum perpetuum) festlegen, allerdings führte er die Prozesse nicht selbst. Seine Aufgabe bestand darin, festzustellen, ob die Rechtsordnung für den Anspruch, den der Kläger erhob, eine Rechtsgrundlage hat. Bejahendenfalls überwies er den Fall mit einer umschreibenden Formel (vgl. Legisaktionenverfahren, Formularprozess) an den streitentscheidenden Richter (iudex), der zusammen mit seinem Beratungsstab, dem consilium, den Fall verhandelte und das Urteil sprach.

In der frühen Neuzeit kam das Amt des Prätoren wieder auf. Ein Prätor war damals stellvertretend mit Aufgaben der Regierung betraut.

Das Substantiv praetor (frühe Form praitor, von praeitor) leitet sich vom lateinischen Verb prae-ire („vorangehen“) ab und bezeichnet im eigentlichen Sinne jemanden, der vorangeht, also einen Anführer oder einen Vorgesetzten. Im Zivilstand bezeichnet der Prätor einen Bürgermeister (beispielsweise in Capua[1]), den Sufet in Karthago[2] oder den obersten Richter in Rom.[3]

Die Geschichte der frühen Republik liegt weitgehend im Dunkeln, da die römische Geschichtsschreibung erst um 200 v. Chr. einsetzte und man über die Frühzeit nur noch wenig weiß. Daher ist fast kein Punkt in der historischen Forschung unumstritten.

Die späte römische Überlieferung (insbesondere Titus Livius), der die ältere Forschung lange Zeit folgte, berichtet: Nachdem der letzte König Tarquinius Superbus vertrieben worden sei, sei die königliche Gewalt, die dieser lebenslang innegehabt hatte, nunmehr jährlich von den patrizischen Geschlechtshäuptern reihum geführt worden (Annuitätsprinzip). Doch heute gilt als unwahrscheinlich, dass bereits damals, 509 v. Chr., die ersten beiden Konsuln amtierten, wie die Römer später glaubten.


Der spätere Konsul und Dictator Gaius Iulius Caesar (hier eine Büste, sogenannter Grüner Caesar, aus dem 1. Jahrhundert n. Chr.) wurde für das Jahr 62 v. Chr. zum Prätor gewählt. Als Proprätor diente er in Hispania Ulterior.