Ravenna


Ravenna, in Erzählungen auch Raben[2] ist eine Stadt in Italien mit 158.058 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2019). Sie ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Ravenna in der Region Emilia-Romagna. Die Stadt lag ursprünglich unmittelbar an der Adria. Infolge von Verlandung beträgt die Entfernung des Stadtkerns von der Küste heute etwa neun Kilometer. Der Hafen ist durch den Canale Candiano mit der Küste und dem Seebad Marina di Ravenna verbunden.

Ravenna ist seit dem 5. Jahrhundert Erzbischofssitz. Von 402 bis 476 war die Stadt Hauptresidenz der weströmischen Kaiser. In den folgenden Jahrzehnten residierten hier auch Odoaker, Theoderich der Große und dessen Nachfolger. Die Stadt ist berühmt für ihre frühchristliche Kirchen, Taufkapellen, Mausoleen sowie Mosaiken und deshalb ein wichtiges Zentrum für den Kulturtourismus in Italien.

Historiker vermuten, dass die Siedlung während der gallischen Invasionen seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. allmählich entstanden war. Versprengte Angehörige der besiegten Umbrer und Etrusker pflegten damals zusammen auf den zahlreichen kleinen Laguneninseln am Südrand des Po-Mündungsdeltas Zuflucht zu suchen. Die Etrusker nannten die Siedlung Ravena. Als Handelshafen soll Ravenna von den Griechen angelegt worden sein.[3]

Im Jahr 88 v. Chr. erhielt die Stadt römisches Bürgerrecht. Jahrzehnte darauf, im Jahr 49 v. Chr., zog Gaius Iulius Caesar von hier zur Überschreitung des Rubikons aus, womit er den Bürgerkrieg begann. Sein Großneffe, Kaiser Augustus, machte den Militärhafen von Classe vor der Stadt zum zweitgrößten Marinestützpunkt des Römischen Reiches (der größte Kriegshafen war Misenum). Der gestürzte markomannische König Marbod wurde hier im Jahr 19 n. Chr. bis zu seinem Tod im Jahr 37 interniert. Hier lebten auch die von Germanicus gefangengenommenen Cherusker Thusnelda und Thumelicus. In der frühen und hohen Kaiserzeit war Ravenna eine von Wasser umschlossene Lagunenstadt mit zeitweilig bis zu 50.000 Einwohnern.

Im Jahr 402 verlegte der weströmische Kaiser Honorius seinen Hof von Mailand nach Ravenna, da die Stadt sehr gut zu verteidigen war. Die Westgoten unter Alarich I. belagerten 408 vergeblich Ravenna. Im selben Jahr wurde der Feldherr Stilicho Opfer einer Intrige am Kaiserhof. Des Paktierens mit Alarich und damit des Hochverrats beschuldigt, wurde er in Ravenna hingerichtet. Eine spätere Legende besagt, dass sich im Jahre 410 der Neffe des Hunnenkönigs Rugila, Attila, am Hofe als Geisel befand.

Nach dem Tod des (Mit-)Kaisers Constantius III. 421 in Ravenna und dem Tod des Honorius regierte dessen Halbschwester Galla Placidia zunächst für ihren minderjährigen Sohn Valentinian III. Sie ließ die Stadt prächtig ausbauen. Obwohl einige spätere Kaiser zeitweilig in Rom residierten, blieb Ravenna fortan der eindeutig bevorzugte Regierungssitz in Italien.


Das Zentrum Ravennas, die Piazza del Popolo, Westseite mit dem Venezianischen Palast, der Teil des Rathauses ist
Piazza del Popolo, Ostseite
Kaiser Justinian, Mosaikdetail aus der Basilika San Vitale (6. Jahrhundert).
Stadtplan von Ravenna um 1907. Das Planquadrat H1 zeigt die Lage des Mausoleums Theoderichs, das seinerzeit als Kapelle S. Maria Rotonda genutzt wurde. Nach dem Ende der Monarchie wurde die Piazza Vitt. Emanuele (D4) in Piazza del Popolo umbenannt. Der Corso Giuseppe Garibaldi (E3, F6) heißt heute Via di Roma. Die Straßenbahn, die früher auf dieser Straße fuhr, ist ganz abgeschafft. Das Hippodrom (G6) ist einer öffentlichen Parkanlage gewichen. Der sogenannte ‚Palast des Theoderich‘ (F5) wird auch als Palazzo di Calchi bezeichnet und stammt aus dem 7. bis 8. Jahrhundert, also aus einer späteren Zeit. Das Areal, auf dem sich die Residenz Theoderichs befand, lag dahinter (G4, G5), ist heute jedoch bebaut.
Zitadelle Brancaleone
Via Cavour, eine beliebte Einkaufsstraße im historischen Zentrum
Kirche San Vitale (6. Jahrhundert), vom Mausoleum der Galla Placidia aus gesehen
Der Dom von Ravenna mit dem Baptisterium der Orthodoxen
Das Grabmal Theoderichs im Theoderich-Park (Parco di Teodorico)
Sankt Apollinaris (links) und Sankt Vitalis auf venezianischen Säulen, auf der Piazza del Popolo
Eine der vier Säulen am Venezianischen Palast, die am oberen Rand ihres Kapitells das Monogramm Theoderichs zeigen
Ravennas schiefer Stadtturm Torre comunale e Sala d’Attorre (12. Jahrhundert)