Realwirtschaft


Unter dem Begriff Realwirtschaft (realer Sektor) versteht man in der Volkswirtschaftslehre einen Teil der Gesamtwirtschaft, der die Produktion, den Vertrieb und den Konsum von Gütern und Dienstleistungen umfasst. Dieser Teilbereich wird in den volkswirtschaftlichen Modellen als Gütermarkt gegenüber dem Geldmarkt (monetärer Sektor oder Finanzsektor) bezeichnet.

Diese Aufteilung der Gesamtwirtschaft in realen und monetären Sektor („Klassische Dichotomie“) stammt aus der Neoklassischen Wirtschaftstheorie. Dagegen lehnen sowohl die keynesianische als auch die marxistische Wirtschaftstheorie diese Dichotomie ab.

Die Volkswirtschaftslehre aggregiert alle Wirtschaftssubjekte, deren Hauptaufgabe mit güterwirtschaftlichen Tätigkeiten in Verbindung steht. Dazu gehören alle Nichtbanken und nicht finanziellen Unternehmen, ihre Investitionen in Realkapital, die Güter- und Arbeitsmärkte, der Handel sowie der Konsum. Typische Wirtschaftssektoren sind Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungsunternehmen mit nicht finanzieller Tätigkeit. Beim Zusammenspiel von Real- und Finanzwirtschaft spielt der Zeithorizont eine wichtige Rolle.[1]

Da die Finanzwirtschaft eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit und höhere Volatilitäten von Kursen oder Renditen als die Preise/Löhne an den Güter- und Arbeitsmärkten aufweist, können die Finanzmärkte neue Informationen schneller verarbeiten als die Realwirtschaft. Dafür prägte Joseph Schumpeter die Metapher von einem Hund, der beim Spaziergang seinem Herrn einmal vorausläuft und einmal hinter ihm zurückbleibt. Der schnelle Hund steht für die Finanzwirtschaft, der behäbige Herr für die Realwirtschaft. Am Ende des Spazierwegs sind beide wieder zusammen. Schumpeter: „Die (Staats-)Finanzen sind einer der besten Angriffspunkte der Untersuchung des sozialen Getriebes … insofern als alles, was geschieht, sich in der Finanzwirtschaft ausdrückt.“[2]