Revolver


Der Revolver (umgangssprachlich auch Colt) gehört zur Kategorie der mehrschüssigen Handfeuerwaffen und wird durch das deutsche Waffengesetz (WaffG) bzw. österreichische Waffenrecht (WaffG) als Kurzwaffe definiert. Im Unterschied zu Selbstladepistolen sind bei Revolvern die Patronen nicht im Magazin, sondern in der hinter dem Lauf drehbar angebrachten Trommel geladen, welche durch Betätigen des Abzugs oder Spannen des Hahns gedreht und wieder in Schussposition gebracht wird.

Für die in Deutschland ursprüngliche Bezeichnung Drehpistole setzte sich bereits im 19. Jahrhundert der anglo-amerikanische Begriff Revolver durch.[1] Im Lateinischen bedeutet revolvere zurück- oder umwälzen.[2]

Revolver werden im Sport, zur Selbstverteidigung und für die Nachsuche bei der Jagd eingesetzt. In der Vergangenheit waren Revolver oft die Standardwaffe im Polizeidienst; im militärischen Bereich wurden sie vor allem von Offizieren, berittenen Truppen und der Militärpolizei verwendet. In beiden Rollen wurden sie weitgehend, in Deutschland sogar vollständig, durch modernere Selbstladepistolen ersetzt. Kompakte (oft fünfschüssige) Revolver werden teilweise in den USA von Polizisten als Zweitwaffe (engl.: back-up gun) oder außerhalb des regulären Dienstes (off duty gun) getragen.[3] Ihr Vorteil besteht darin, dass sie auch bei seltenem Gebrauch zuverlässig funktionieren. In einigen Staaten werden Revolver noch als Standardwaffen für Angehörige der Polizei eingesetzt.

Die ersten Waffen wichen noch von der gebräuchlichen Definition eines Revolvers ab. Es waren ausnahmslos Vorderlader, bei denen jede Kammer das hintere Ende eines Laufs bildete. Es drehte sich also nicht nur eine Trommel mit Treibladung und Geschoss, sondern das gesamte Laufbündel.

Überlegungen zu mehrläufigen Waffen mit drehbaren Laufbündeln gab es in Mitteleuropa bereits im 15. Jahrhundert, so zeigt eine Nürnberger Handschrift aus dem späten 15. Jahrhundert eine dreischüssige Luntenschlossbüchse mit drehbarem Lauf.[4] Erste praktische Experimente mit mehrläufigen Luntenschlosswaffen gab es bereits um 1500.[5] Von deutschen Büchsenmachern wurden zwischen 1595 und 1600 in geringer Anzahl die ersten Waffen mit Radschloss gefertigt.[6] Es existierten zu dieser Zeit einige Revolver mit Schnapphahnschloss aus deutscher Produktion.[7] Seit 1600 wurden vermehrt Steinschlossrevolver gebaut. Im Vergleich zu einschüssigen Pistolen war ihre Anzahl jedoch gering. Dies lag an ihrer Größe (bis 550 mm), dem Gewicht (bis 2,85 kg) und dem Problem, das Zündpulver für jedes Patronenlager zuverlässig aufzubewahren.[7]


Colt Model 1873 Single Action, Werksgravur 1893 von Cuno Helfricht
Detail eines achtschüssigen Luntenschlossrevolvers von 1580
Früher Radschlossrevolver (Deutschland ca. 1590)
Frühe Radschlosspistole mit 3 Radschlössern (Italien ca. 1570)
Revolvergewehr mit drehbaren (Teil-)Steinschlössern (Frankreich 18. Jahrhundert)
Bündelrevolver von Allen & Thurber (Worcester (Massachusetts))
Revolver System Mariette 1855
Steinschlossrevolver von Collier
Perkussionsrevolver; Colt Army Kal. .44 Mod. 1860
Adams-Revolver aus dem Jahr 1854
Le Mat-Hinterladerrevolver für Stiftfeuerpatronen mit zusätzlichem Schrotlauf
Lefaucheux-Revolver inkl. Aufbau einer Stiftfeuerpatrone
Ladeöffnung eines Lefaucheux-Revolvers M1858
Früher Smith & Wesson Revolver für Randfeuerpatronen, Spornabzug
Adams-Revolver für Zentralfeuerpatronen British Army Mark III aus dem Jahre 1872
Früher Webley Royal Irish Constabulary Revolver mit geschlossenem Rahmen Cal. .450
Colt Single Action Army, Ladeklappe offen, Ausstoßer in hinterer Stellung
Smith & Wesson No. 3, Lauf abgekippt zum Nachladen
Revolver mit ausgeschwenkter Trommel. Im Vordergrund die Trommelachse und der Trommelkran. Der Stift (auch Crane Lock genannt) auf dem Trommelkran dient zur Verriegelung im Rahmen.
Kompakte Revolver Colt Cobra / S&W Chiefs Special, beide mit ausschwenkbarer Trommel im Kaliber .38 Special
Colt SAA Flattop Target Sportrevolver, hergestellt 1894
Sportrevolver MR 38 mit Nill-Formgriff und Match-Visierung
Drei Patronen im Kaliber .38 Special. Neben den unterschiedlichen Geschossen (Vollmantel, Teilmantel, Wadcutter) beachte man den Rand am Boden der Patronen.
Voll- und Halbmondclips im Kaliber .45 ACP; vorn Patronen in .45 ACP und .45 Auto Rim im Vergleich
Hahn mit integriertem Zündstift
S&W Model 500: Deutlich sind fünf Trommelbohrungen und die Ausstoßerachse mit dem Ausstoßerkranz und dem herausragenden Zentralstift zu erkennen. Rechts im Bild der Daumenschieber.
S&W 686 Target Champion DL
Ausstoßerkranz (dargestellt ohne Achse). Der innere Teil (gelb) ist mit den Nocken (rot) für die Drehung der Trommel zuständig. Auf dem äußeren Bereich (blau) liegen die Bodenränder der Patronen auf (Berührungsbereich: hellblau).
E.K. Roots Patent 1855 für Trommeltransport
Treibgase entweichen durch den Trommelspalt.
Smith & Wesson Model 642 Ladysmith in .38 Special
Mateba Model 6 Unica. Der Lauf liegt weit unten. Der gesamte Rahmenteil über dem Abzug bewegt sich im Schuss.
Colt Root’s Carbine .56 cal. fünfschüssig, Kugelgießzange
Granatwerfer Milkor MGL
Patentzeichnung für das System mit offener Kammer. Man beachte die besondere Form der Patronenhülsen.
Neunschüssiges Ripley-Maschinengewehr (Patentzeichnung von 1861)
M61 A1 Vulcan mit sechs rotierenden Läufen