Rheinbund


Der Rheinbund (französisch Confédération du Rhin, offiziell États confédérés du Rhin, deutsch offiziell Rheinische Bundesstaaten) war eine auf Initiative des französischen Kaisers Napoleon 1806 in Paris gebildete Konföderation deutscher Staaten, die mit der Gründung dieses Bündnisses aus dem Verband des Heiligen Römischen Reiches austraten. Durch die Rheinbundakte war die Konföderation als Militärallianz mit dem französischen Kaiserreich gegründet worden. Napoleon fungierte in diesem Gebilde als „Bundesprotektor“, im politischen Wortsinn eines Beschützers oder einer Schutzmacht. Frankreich selbst gehörte der Konföderation aber nicht an.

Das Ziel, den Rheinbund von 1806 zu einem Staatenbund mit gemeinsamen Organen auszubauen, scheiterte am Widerstand der größeren Mitgliedsstaaten. Faktisch blieb der Rheinbund im Wesentlichen ein Militärbündnis deutscher Staaten mit Frankreich. Er brach nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 zusammen.

Wurde der Rheinbund in der preußisch-deutschen Historiografie lange Zeit nur unter dem Gesichtspunkt der napoleonischen Herrschaftssicherung gesehen, gelten heute die in den Rheinbundstaaten durchgeführten Reformen neben den preußischen Reformen als wichtige Schritte zur staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernisierung der Mitgliedsstaaten.

Nach dem Frieden von Lunéville mit der Eingliederung der von Frankreich besetzten linksrheinischen deutschen Gebiete wurde die Neuordnung der Staatenwelt in Mitteleuropa fortgesetzt. Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 führte zu einer radikalen Umgestaltung im Heiligen Römischen Reich. 112 kleinere rechtsrheinische Reichsstände gingen in neu organisierte Staaten auf. Davon betroffen waren etwa drei Millionen Menschen. Fast alle geistlichen Territorien wurden dabei säkularisiert und die meisten ehemaligen freien Reichsstädte und zahlreiche kleinere Reichsritter wurden mediatisiert, deren Macht und Einfluss ging dadurch verloren. Neben Preußen profitierten insbesondere das Kurfürstentum Baden und das Herzogtum Württemberg davon. Das Verschwinden der Reichsritter und der geistlichen Territorien bedeutete, dass der Kaiser politisch wichtige Stützen verlor. Das Ende des geschwächten Heiligen Römischen Reiches war absehbar. Franz II. hatte 1804 den Titel eines Kaisers von Österreich angenommen, um dem absehbaren Statusverlust zuvorzukommen. Als es im Jahr 1805 zum dritten Koalitionskrieg zwischen Russland, Österreich, Großbritannien auf der einen Seite und Frankreich auf der anderen Seite kam, verbündeten sich die Staaten Bayern, Baden und Württemberg mit Napoleon.


Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 mit der Unterschrift Napoleons (Ausfertigung für das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen)
Das System des Rheinbundes, wie es in der Rheinbundakte skizziert wurde. Die Bundesversammlung (Bundestag) wurde allerdings nicht verwirklicht.
Lage des Rheinbundes in Europa 1812
Huldigung der Rheinbundfürsten, kolorierte Lithografie von Charles Motte
Der Rheinbund 1806
Der Rheinbund 1808 (maximale Ausdehnung)
Der Rheinbund 1812
Maximilian Joseph von Montgelas in der Tracht des Hubertusordens (Gemälde von Joseph Hauber, München 1806)
Sigismund von Reitzenstein
Erste Seite der Erstausgabe des Code Civil von 1804
Jérôme Bonaparte als König des Königreiches Westphalen
König Friedrich I. von Württemberg im Krönungsornat, Bildnis von Johann Baptist Seele
Tiroler Aufstand von 1809 unter Andreas Hofer (Gemälde von Joseph Anton Koch, 1821)
Die Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht von Leipzig war unmittelbarer Anlass für die Auflösung des Rheinbundes.