Rudern


Der Ausdruck Rudern bezeichnet allgemein die Fortbewegung eines Wasserfahrzeuges durch menschliche Kraft mittels Riemen oder Skulls. Beim Skullen hält ein Ruderer in jeder Hand jeweils ein Vortriebsmittel, das sogenannte Skull. Beim Riemenrudern hält der Ruderer hingegen nur ein Vortriebsmittel, den Riemen, mit beiden Händen.

Rudern ist heute eine Kraftausdauer-Sportart, bei der Boote auf dem Wasser bewegt werden, in denen – je nach Bootsgattung – unterschiedlich viele Personen sitzen: Die Spanne reicht in den olympischen Bootsgattungen vom Einer (auch Skiff genannt) bis zum Achter.

Das Rudern ist bereits seit der Antike bekannt. Vor der Erfindung von Dampf- und Dieselantriebsmaschinen war es eine gute Möglichkeit, unabhängig vom Wind auf offenem Wasser voranzukommen. Galeeren waren mit bis zu drei Reihen von Ruderern übereinander besetzt.

Rudern wurde bereits in der Antike auch bei Wettkämpfen betrieben, doch erst mit Beginn des 18. Jahrhunderts verfeinerten die Briten das Rudern als moderne Sportart. 1715 schrieb der Ire Thomas Doggett in London die erste Ruderregatta der Neuzeit aus, das so genannte Doggett’s Coat and Badge Race auf der Themse.[1] Nachdem Rudern vor allem an Lehranstalten populär geworden war, entstand 1818 mit dem Leander Club der erste öffentliche Ruderverein. Die bekanntesten Ruderregatten sind heute das so genannte Boat Race der Achter der Universitäten von Cambridge und Oxford, das 1829 zum ersten Mal stattfand, sowie die seit 1839 unweit der Insel Temple ausgetragene Henley Royal Regatta. 1836 wurde mit dem Hamburger Ruder-Club der erste deutsche Ruderverein gegründet, und die erste deutsche Ruderregatta gab es 1844 in Hamburg.[2] 1896 wurde Rudern olympisch. Aufgrund schlechter Wetterbedingungen fiel die Disziplin jedoch aus und wurde somit 1900 erstmals ausgetragen.

Grundsätzlich kann zwischen Skullen (engl. sculling) und Riemenrudern (engl. sweeping) unterschieden werden. Beim Skullen hält ein Ruderer in jeder Hand jeweils ein Skull. Beim Riemenrudern hingegen hält der Ruderer einen Riemen mit beiden Händen, der entweder Backbord oder Steuerbord in das Wasser taucht.

Die Aneignung und Verbesserung einer Rudertechnik soll es ermöglichen, unter biomechanischen Gesichtspunkten die Bootsgeschwindigkeit zu maximieren und gleichzeitig die körperliche Belastung zu minimieren. Im Laufe der Zeit hat sich im deutschen Raum folgendes Leitbild zur bestmöglichen Erreichung dieser Ziele herausgebildet.


Achter mit Steuermann
Eine französische Galeere und eine niederländische Galeone vor einem Hafen, Gemälde von Abraham Willaerts aus dem 17. Jahrhundert
Hölzernes Modell eines Ruderbootes aus dem historischen Ägypten, 21. oder 20. Jahrhundert v. Chr.
„Ruderregatta bei Grünau“, Gemälde von Ernst Oppler um 1910
Beispiel für das Skullen: Einer
Women's Single Sculls Finale - 28. Sommeruniversiade 2015 Gwangju
Beispiel für das Riemenrudern: Zweier ohne Steuermann
Rennboot: Doppelzweier (Innenansicht)
Wanderrudern auf der Elbe, Schülerruderverein des Matthias-Claudius-Gymnasiums (Sommer 1959)
Der siegreiche Vierer mit Steuermann des Hamburger Matthias-Claudius-Gymnasiums am 6. August 1959 in Neumünster.
Männerachter der Harvard University 2004 bei der Henley Royal Regatta