Sant’Ambrogio (Mailand)


Die Kirche Sant’Ambrogio in Mailand im Norden Italiens wurde ab 378 von ihrem heutigen Namenspatron, dem Kirchenvater Ambrosius errichtet, stammt aber in ihrer heutigen Gestalt großenteils aus dem romanischen Umbau zwischen 1088 und dem Ende des 12. Jahrhunderts.

In römischer Zeit diente das Gelände außerhalb des Stadttors Porta Vercellina, auf dem die heutige Kirche steht, als Friedhof. Nachdem Kaiser Konstantin 313 n. Chr. mit seinem Edikt von Mailand den bis dahin verfolgten Christen u. a. den Bau von eigenen Kirchen erlaubt hatte, waren hier Grabkapellen und Gedenkstätten einiger Märtyrer errichtet worden, unter ihnen Victor, Nabor und Felix.

Direkt nördlich der Kapelle Victors ließ der Mailänder Bischof Ambrosius zwischen 379 und 386 eine große, dreischiffige Basilika zur Verehrung der Märtyrer Nabor und Felix sowie Gervasius und Protasius erbauen, die Kirche Ss. Nabore e Felice. Von dieser querschifflosen Kirche, die in ihren Maßen in etwa dem heutigen Bauwerk entsprach, haben sich nur wenige Reste erhalten: die vier roten Säulen aus Porphyr, die das Ziborium über dem Altar tragen, einige Säulenbasen und ein Bruchstück der damaligen Dekoration der Apsis.[1]

Nach seinem Tod wurde Ambrosius neben Gervasius und Protasius bestattet. Schon früh erhielt die Kirche daraufhin den Namen Basilika Ambrosiana. Die hohe Bedeutung dieser Kirche wird an dem Umstand deutlich, dass eine Reihe von Bischöfen hier am Grab ihres heiligen Vorgängers die Bischofsweihe empfangen haben.

Im Jahre 784 wurde im unmittelbar angrenzenden Bereich der heutigen Katholischen Universität eine Benediktinerabtei gegründet, die fünf Jahre später von Karl dem Großen ihre Bestätigung erhielt, der sie um eine Gemeinschaft von Kanonikern erweiterte. Die bisherige Kirche war für diese neuen Anforderungen zu klein: die Mönche fügten noch im 8. Jahrhundert am Ostende einen neuen Chorraum mit darunter liegender Krypta an. Im 9. Jahrhundert erhielten auch die Seitenschiffe Apsiden, und das Atrium wurde angelegt. Bischof Angilberto II. stiftete um 846 einen goldenen Altarvorsatz, Werk des Volvinius. Wenig später wurde, angeregt durch das Vorbild von Alt St. Peter in Rom, der rechte Kirchturm erbaut, bis heute Campanile dei Monaci (Turm der Mönche) genannt. Mit seinem quadratischen Grundriss ist er einer der ersten, wenn nicht der erste lombardische Kirchturm überhaupt.

Der romanische Umbau, von Wissenschaftlern des 19. Jahrhunderts auf das 11. Jahrhundert eingeschätzt, wird nach aktuellem Stand auf das 12. Jahrhundert datiert (siehe LBC), beginnend um 1100, abgeschlossen mit der neuen Blei-Eindeckung der Dächer 1192/1194. Als erstes wurde das Langhaus umgebaut, dann noch vor 1128 der zweite Glockenturm (Campanile dei Canonici) errichtet. Anschließend entstand der Tiburion und das Atrium erhielt seine heutige Gestalt. Ab 1140 widmete man sich vor allem der Innenausstattung.


Sant’Ambrogio, Frontansicht
Zerstörungen 1943
Grundriss 1847
Grundriss 1911
Kanzel (13. Jahrh.) auf Sarkophag aus dem 4. Jahrhundert
Eherne Schlange, 11. Jahrhundert