Schrein


Als Schrein bezeichnet man in der abendländischen Kunstgeschichte sowohl einen großen, hausförmigen, meist mit Edelmetall verkleideten Behälter für die Gebeine eines Heiligen (Reliquienschrein) als auch das schrankartig sich öffnende Mittelstück eines mit Flügeln verschließbaren Schnitzretabels (Altarschrein).

Auch das Herzstück von Tempeln, sei es ein Möbelstück oder ein Bauwerk zur Aufbewahrung kultischer und heiliger Gegenstände oder Aufenthaltsort göttlicher Wesen, kann als Schrein bezeichnet werden; es ist neben dem (vom Tisch abgeleiteten) Altar das zweite wichtige kultische Element eines Sakralbaus, beide kommen auch in kombinierter Form vor.

Das Wort Schrein ist ein frühes Lehnwort, lateinisch scrinium findet sich schon althochdeutsch scrîni im sächlichen Geschlecht, und mittelhochdeutsch schrîn, m. und n. (‚der‘ oder ‚das Schrein‘), wobei ersteres zweiteres verdrängt.[1]

Grundbedeutung ist ‚Kasten, Kiste‘, ein verschließbares Möbelstück, sowohl groß und stehend als Schrank oder Truhe, wie auch im Besonderen hängend als Wandkästchen, und synonym dem ursprünglichen Begriff der Lade[2] – daher auch der Name ‚Schreiner‘ für Tischler.[3] Noch bis in das 19. Jahrhundert ist die Bedeutung im normalen Sprachgebrauch gleichermaßen profan[2][4] wie sakral belegt, Grimms Deutsches Wörterbuch (ab 1854) gibt „behältnisse zur aufbewahrung von gegenständen des cultus, besonders von Reliquien, gewöhnlich reich verziert“[5] ebenso wie „in allgemeiner Anwendung verschlieszbares Behältnis zur Aufbewahrung von Kleinodien, Schmuck, Geld, Kleidern u. s. w. in der entwickelten neuhochd. Schriftsprache nur in gewählter ausdrucksweise gleichbedeutend mit Schrank, also als aufrecht stehendes oder an der wand hängendes Behältnis (im Sinne von Kiste, Lade ist es nicht mehr gebräuchlich)“,[6] sowie als spezielle Bedeutung Sarg (‚Totenkiste‘) „übergehend in die Bedeutung von Sarg, zunächst von solchen, die heilige oder verehrungswürdige Gebeine aufnehmen, dann im allgemeineren Gebrauche“.[7]

Der religionswissenschaftliche Aspekt herrscht erst in moderner Zeit vor und entwickelte sich über ‚ehrwürdig‘ – Grimm sagt: „sonst in engerer bedeutung von einem durch material, kunstvolle arbeit oder inhalt kostbaren hangenden behältnis, besonders auch von einem aus alter zeit stammenden.“[6] – hin zum Gegenstand des Kultischen, und dient in diesem Sinne dazu, auch die Bauformen des Ritus nichtchristlicher Religionen zu beschreiben.

Der Schrein, auch als Naos bezeichnet, verweist im alten Ägypten auf eine lange Tradition, die bis in die frühdynastische Zeit zurückreicht, wo er als Reput zur Beherbergung von Gottesbildern diente. Der Schrein galt in der altägyptischen Mythologie auch als das „Innere des Himmels“, also der Wohnort der Götter. In ihm wurden neben Gottes- auch Königsbilder verwahrt, um das tägliche Tempelritual der Priesterschaft und andere Verehrungen im privaten Bereich allen Bürgern zu ermöglichen.[8]


Der geöffnete Liboriusschrein für die Gebeine des hl. Liborius im Erzbischöflichen Diözesanmuseum Paderborn (Ansicht mit abgenommenem Deckel im Jahre 2009 anlässlich der Restaurierung)