Schulden


Unter Schulden versteht man umgangssprachlich Verbindlichkeiten, die mit Rückzahlungsverpflichtungen von natürlichen oder juristischen Personen gegenüber Gläubigern verbunden sind.

Der Inhaber von Schulden heißt Schuldner. Schulden können alle Wirtschaftssubjekte haben, also Privathaushalte, Unternehmen oder der Staat mit seinen Untergliederungen (die öffentliche Hand mit ihren öffentlichen Haushalten, öffentliche Unternehmen, Sozialversicherung). Die negative Konnotation von „Schulden“ mit „Schuld“ besteht nur im deutschen Sprachgebrauch. Der englische Begriff „debt“ hat ebenso wenig den negativen Beiklang von englisch guilt wie die französische Entsprechung „dette“ von französisch culpabilité.[1] Die englischen, französischen oder italienischen Begriffe sind mit „sollen“ zu übersetzen, denn sie entstammen dem lateinisch debere für „sollen“. Der negativ belastete Begriff Schulden wird umgangssprachlich, aber auch in Gesetzen oft als Pendant zu Vermögen genutzt. Insbesondere in einer Hochzinsphase und/oder konjunkturellen Schwächephasen können Schulden zu einer Schuldenlast, einem Schuldenberg und schließlich zu einer unkontrollierbaren Schuldenfalle anwachsen.

Das Wort Schulden ist der Plural von Schuld, beide weisen jedoch einen unterschiedlichen Begriffsinhalt auf. Unter Schuld werden auch ethische, strafrechtliche oder zivilrechtliche Aspekte verstanden, während Schulden auf Verbindlichkeiten begrenzt sind. Das Verb „schulden“ ist vom Substantiv Schulden abgeleitet. Bereits um 160 nach Christus trennte der römische Rechtskundige Gaius in seinen Institutiones das Recht in Personen (lateinisch personae), Sachen (lateinisch res) und Klageansprüche (lateinisch actiones), wobei letztere aus Sklaven (lateinisch servi) und Schulden (lateinisch obligationes) bestanden.

Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm aus dem Jahre 1838 führt das Wort Schulden auf das germanische Verb „skulan“ für „sollen“ zurück.[2] Entsprechend dieser Herkunft beschreibt Schuld zunächst etwas, „was man soll, eine Verpflichtung ganz allgemein“.[3] Es stammte als Verbalabstraktum aus dem urgermanischen „skula“ für „verpflichtet, schuld sein; sollen, müssen, zu einer Leistung verpflichtet“. Das althochdeutsche „skuld“ („scult“) ist bereits seit dem Jahre 765 bezeugt und bedeutete „Schuldigkeit“.[4] Im Mittelhochdeutschen richtete man die „schult“ als Verpflichtung zu einer Geldzahlung am lateinisch debitum aus.[5]

Immanuel Kant nannte 1763 die Schulden „negative Capitalien“, weil sie „positive Gründe der Verminderung der Capitalien“ seien.[6] Der deutsche Kronsyndikus Friedrich Carl von Savigny sah 1840 die „Schulden als Bestandteile des Vermögens an“,[7] um dann jedoch das Vermögen als „Summe von Rechten, welche dem Inhaber nach Abzug der Schulden übrigbleibt“, zu erklären.[8] Damit meinte er das Reinvermögen.