Schwefel


Schwefel (über mittelhochdeutsch swëbel von althochdeutsch swëbal; lateinisch sulpur und gräzisiert Sulphur bzw. Sulfur, wie swëbal vermutlich von einer indogermanischen Wurzel suel- mit der Bedeutung ‚langsam verbrennen‘, woraus im Germanischen auch deutsch „schwelen“ entstand;[13] die zur Benennung schwefelhaltiger Verbindungen verwendete Silbe „-thio-“ stammt vom griechischen Wort θεῖον theĩon) ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol S und der Ordnungszahl 16. Er zählt zu den Chalkogenen in der sechzehnten Gruppe des Periodensystems. In der Häufigkeit der in der Lithosphäre vorkommenden Elemente steht er an 16. Stelle. Elementarer Schwefel ist ein bei 25 °C gelber, nichtmetallischer Feststoff, der eine Vielzahl allotroper Modifikationen bildet. In der unbelebten Natur kommt er sowohl gediegen als auch in Form zahlreicher Mineralien vor, in diesen vor allem als Sulfid, Disulfid und Sulfat, seltener als Sulfit. Schwefelverbindungen sind auch Bestandteile aller Pflanzen, Tiere und Menschen, zum Beispiel als essentielle Aminosäuren und Coenzyme. Auch Kohle und Erdöl enthalten daher Schwefelverbindungen. In Mikroorganismen spielt Schwefel auch eine Rolle bei der anaeroben Energiegewinnung. Den größten Teil des elementar gewonnenen oder in Raffinerien erzeugten Schwefels verwendet die chemische Industrie zur Herstellung von Schwefelsäure, einer der technisch wichtigsten und meistproduzierten Grundchemikalien. Als Komponente des sauren Regens besitzen Schwefeloxide und verschiedene Schwefelsäuren erhebliche Umweltrelevanz.

Schwefel ist ein seit langem vom Menschen genutztes Element. Chinesen und Ägypter nutzten um etwa 5000 v. Chr. Schwefel zum Bleichen von Textilien, als Arzneimittel und zur Desinfektion. Der Papyrus Ebers beschreibt die Verwendung von Schwefel zur Behandlung von bakteriellen Entzündungen des Auges (Trachom).

Eine natürlich vorkommende Modifikation des Schwefels, genannt Shiliuhuang, war in China seit dem sechsten Jahrhundert v. Chr. bekannt. Chinesen gewannen im dritten vorchristlichen Jahrhundert Schwefel aus Pyrit.[14]

Das vorklassische Griechenland verwendete Schwefel als Arzneimittel und das durch Verbrennung von Schwefel entstehende Schwefeldioxid sowohl als Desinfektionsmittel zur Verhütung von Infektionskrankheiten wie der Pest als auch zur Schwefelung von Wein. Bereits um 800 v. Chr. erwähnte Homer dies in der Odyssee.[15][16] Die antike Kriegsführung verwendete Schwefel als Brandwaffe oder Brandbeschleuniger.[14] Plinius der Ältere erwähnte um das Jahr 79 n. Chr. in seinem Werk Naturalis historia die Insel Milos als Lagerstätte des Elements sowie seine Verwendung als Desinfektionsmittel, Arzneimittel und Bleiche.[17] Als weitere Anwendungen erwähnt er Schwefelhölzer.[18]


Abschnitt des Papyrus Ebers, ca. 1500 v. Chr.
Tupan-Patera, ein vulkanischer Schlot auf dem Mond Io von 75 km Durchmesser, gefüllt mit flüssigem Schwefel
Abbau von Schwefel (1943, Texas)
Abbau von Schwefel am Vulkan Ijen auf Java.
Fußkörper der Schwefelpumpe nach Frasch
Ansicht eines Schwefelkristalls von oben (Naturhistorisches Museum Wien)
Phasendiagramm des Schwefels
Struktur von Cyclooctaschwefel
Struktur von Cyclohexaschwefel
Struktur von Cyclododecaschwefel
Brennender Schwefel
Vulkanisierwerkstatt in Berlin (1946)
Gekörntes Schwarzpulver
Figur aus Lapislazuli mit Pyriteinschlüssen (Länge 8 cm)
Strukturformel von L-Cystin mit der blau markierten Disulfidbrücke
Schematischer Aufbau des Absorbers einer Rauchgasentschwefelungsanlage mit Kalkwäsche
Würfelförmiger Pyrit aus Eisen(II)-disulfid
Tetraschwefeltetranitrid
Struktur des Schwefelhexafluorids
Struktur der Xanthogenate
Struktur von L-Alliin, ein natürlicher, S-chiraler Inhaltsstoff von Knoblauch
Johnson-Corey-Chaykovsky Reaktion
Schwefel als Brückenligand in Eisen-Nickel-Cluster