Sekundant


Ein Sekundant (von lat. secundus, „der Zweite“) ist eine Person, die während eines Duells oder einer Mensur die Interessenvertretung und – soweit nach den Regularien vorgesehen – physischen Schutz eines der Beteiligten wahrnimmt.

Entscheidend für die Entstehung der Einrichtung des Sekundanten war in Europa die Einführung des „geregelten“ Duells, das zuerst im 17. Jahrhundert belegt ist. Hier kam es nicht mehr hauptsächlich darauf an, in einer persönlichen Konfliktsituation den Gegner auf jeden Fall zu verletzen oder zu töten, sondern Satisfaktion zu fordern oder zu geben. Dahinter stand die Überzeugung, dass durch eine Beleidigung die Zugehörigkeit des Beleidigten zu einer gesellschaftlich privilegierten Gruppe in Frage gestellt wurde. Das Zurechtrücken dieser Situation wurde Satisfaktion genannt und konnte auf zweierlei Arten geschehen. Der Beleidiger entschuldigte sich oder stellte sich zu einem Duell zur Verfügung.

Das Antreten zu einem Duell und die regelgerechte Durchführung eines solchen konnte für beide Kontrahenten die Ehre wiederherstellen, also die Zugehörigkeit zu der besonderen sozialen Gruppe bestätigen. Dabei spielten das verzögerungsfreie Auftreten und die Einhaltung der Regeln die entscheidende Rolle und weniger das kämpferische Ergebnis.

Der Sekundant hatte dafür Sorge zu tragen, dass sein Duellant alle Regeln beachtete, aber gleichzeitig keine physischen Nachteile dadurch erlitt, dass die Gegenseite Regelverstöße beging.

Bei Duellen mit Fechtwaffen standen die Sekundanten an der Seite ihrer Schützlinge, und zwar an der dem Fechtarm gegenüberliegenden Seite, da diese Seite am wenigsten geschützt ist. Dazu waren sie mit einer besonderen Schutzausrüstung versehen. Sie trugen die gleiche Waffe wie die Duellanten, jedoch mit stumpfer Klinge. So konnten sie regelwidrige Aktionen der Gegenseite durch Herausschlagen der Klinge nach oben oder zur Seite verhindern. Dabei wurde laut „Halt“ gerufen. Dieser Vorgang hieß „Einfallen“. Beim Einfallen des einen Sekundanten zog der andere sofort nach, um eine einseitige Bevorteilung zu verhindern. Das Duell wurde dadurch unterbrochen.

Regelverstöße der Gegenseite wurden durch Anfrage des Sekundanten beim Unparteiischen und durch dessen Entscheidung festgestellt.


Studentisches Säbelduell um 1900 mit Kennzeichnung der Funktionsträger
Sekundant mit Schutzausrüstung für eine studentische Mensur
Sekundant in Stellung, Fechtlehrbuch von 1906