Slavonice


Slavonice (deutsch Zlabings) ist eine Stadt im Südwesten Mährens in Tschechien. Dieses Gebiet wird auch Česká Kanada genannt. Slavonice liegt an der Grenze zu Österreich am Slavonický potok in etwa 512 m ü. M. Auf 4572 Hektar leben 2701 Einwohner. Zum südlich gelegenen Nachbarort Waldkirchen an der Thaya in Niederösterreich besteht eine Straßenverbindung.

Die Gründung der Stadt erfolgte etwa im 12. Jahrhundert, die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1260. Ursprünglich handelte es sich um ein Marktdorf, das den Herren von Neuhaus gehörte. Der Ort entwickelte sich langsam zu einer befestigten Stadt. Im 13. Jahrhundert entstand ein unterirdisches Entwässerungssystem, das gleichzeitig der Verteidigung diente. Den größten Einfluss auf den Ort hatte das 14. Jahrhundert, in welchem es die Stadtrechte erhielt. Zu dieser Zeit wurden auch die für die Stadt typischen Gebäude um den Marktplatz erbaut. Diese bürgerlichen Häuser waren an länglichen Parzellen erstellt, mit engen Höfen, deren hinterer Teil aus Wirtschaftsgebäuden bestand.[3] Zahlreiche Häuser wurden durch die hier ansässige Bauwerkstatt unter Leopold Esterreicher mit kunstvollen Kreuzrippengewölben (Diamantgewölben) ausgestattet, in einer Qualität künstlerischer Ausführung, wie sie, für bürgerliche Häuser in Europa, sonst kaum zu finden ist. Eine von Leopold Esterreicher signierte Ausführung dieser Werke findet sich z. B. im Haus Nr. 25 aus dem Jahre 1550.[4] Im Jahr 1423 wurde Zlabings erfolglos von den Hussiten belagert. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Zlabings 1645 von den Schweden erobert und verwüstet.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam Zlabings, das 1910 zu 99 % deutschsprachig war, zur neu gegründeten Tschechoslowakei. Am 18. November 1918 übernahm eine Abteilung des tschechischen Infanterieregiments 81 aus Iglau die Stadt. Der Besetzung ging ein längeres Feuergefecht mit der deutschen Volkswehr voraus. In der Zwischenkriegszeit führten staatliche Maßnahmen zum Zuzug tschechischer Bewohner, deren Anteil zwischen den Volkszählungen 1910 und 1930 von 0,4 % auf über 14 % stieg. Mit dem Münchner Abkommen wurde die Tschechoslowakei 1938 gezwungen, die von der deutschsprachigen Bevölkerung bewohnten Randgebiete an das Deutsche Reich abzutreten. Die Stadt wurde dem Kreis Waidhofen an der Thaya zugeordnet.[5] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die deutsche Bevölkerung der Stadt über die Grenze nach Österreich vertrieben. Zum Großteil wurden die in Österreich befindlichen Zlabingser, in Übereinstimmung mit den Überführungs-Zielen der Alliierten, nach Deutschland weiter transferiert.[6][7] Der an der österreichischen Grenze südwestlich von Maříž gelegene Ortsteil Léštnice (Lexnitz) wurde 1950 aufgelassen.


Dächer am Marktplatz von Slavonice
Marktplatz
Ein Renaissancehaus
Kirche Mariä Himmelfahrt