Slawen


Als Slawen wird die nach Bevölkerungszahl größte Gruppe von Ethnien in Europa bezeichnet, die seit dem 6. Jahrhundert vor allem das östliche Mitteleuropa, Osteuropa und Südosteuropa bewohnen. Slawische Sprachen gehören zur indoeuropäischen Sprachfamilie.

Große slawische Minderheiten (etwa 15 bis 35 % der Bevölkerung) leben in den ehemals zur Sowjetunion gehörigen Staaten Litauen, Lettland, Estland, Kasachstan und Moldau. In Deutschland und Österreich leben, abgesehen von der großen Bevölkerungsgruppe slawischer Zuwanderer, die autochthonen slawischen Volksgruppen der Sorben in der Lausitz, der Kroaten im Burgenland, der Tschechen und Slowaken in Wien sowie der Slowenen in Kärnten und der Steiermark. Des Weiteren lebt im Norden Polens die slawische Minderheit der Kaschuben und im äußersten Südwesten der Ukraine sowie in der Slowakei die slawische Minderheit der Russinen.

Die slawischen Sprachen bilden eine der Untergruppen der indogermanischen Sprachen und stehen hier den baltischen Sprachen am nächsten, vermutlich über eine (von manchen bestrittene) vorhergehende balto-slawische Zwischenstufe. Man unterscheidet drei Hauptzweige, das Ostslawische, Westslawische und das Südslawische.[2]

Die zahlreichen gegenseitigen Entlehnungen zwischen Slawisch und Germanisch kennzeichnen die heute noch bestehende lange Nachbarschaft.[3]

Das nichtindogermanische Ungarisch hat die Namen der meisten Wochentage und einige andere Begriffe aus slawischen Sprachen übernommen.

In der lebhaften und noch keineswegs abgeschlossenen Diskussion über den Ursprung der Slawen stehen sich zwei völlig unterschiedliche Forschungsansätze gegenüber. Ausgehend von der Grundannahme, dass die Slawen ein Ursprungsgebiet haben, geht die klassische Auffassung von der Einwanderung einer oder mehrerer homogener „urslawischer“ Gruppen aus, deren Identität und Herkunft sie zu ermitteln sucht („Urheimat“).[4] Dabei sollen nach einem älteren Modell homogene Verbände eingewandert sein, während sich nach einer moderneren, modifizierten These die slawischen Völkerschaften erst auf der Wanderung oder am Ankunftsort im Rahmen einer Ethnogenese aus den wandernden Protoslawen gebildet haben. Insbesondere Sprachforscher haben als slawische „Urheimat“ einen Raum nördlich der Karpaten zwischen oberer Weichsel, mittlerem Dnepr und Desna vermutet.


Staaten mit mehrheitlich slawisch sprechender Bevölkerung:[1]
  • Ostslawen
  • Westslawen
  • Südslawen
  • Verbreitung der slawischen Sprachen
    Das Römische Reich unter Hadrian (Regierungszeit 117–138 n. Chr.). Der Siedlungsraum der Venedi lag zu der Zeit zwischen Ostsee und Karpaten
    Die Ausbreitung der slawischen Sprache im 5. bis 10. Jahrhundert
    Der frühslawische Burgwall Hohennauen-Witzke im Havelland (7. bis 9. Jahrhundert)
    Westslawische Stämme im 9. und 10. Jh.
    Nachbau eines slawischen Handelsschiffes
    Sclavinia, Germania, Gallia und Roma huldigen Kaiser Otto III., Meister der Reichenauer Schule, Evangeliar Kaiser Ottos III., um 1000
    Teile des slawischen Silberschatzes von Martyniwka, Ukraine (etwa 550–650 n. Chr.)
    Die Slawen in Südosteuropa (1869)
    Slawenburg Raddusch (bei Lübbenau) – Rekonstruktion eines slawischen Burgwalls
    Rekonstruiertes Slawendorf Ukranenland