St. Viktor (Hochkirchen)


Koordinaten: 50° 47′ 52,3″ N, 6° 38′ 24,1″ ODie katholische Filialkirche St. Viktor ist das Wahrzeichen des Dorfes Hochkirchen, eines Ortsteils von Nörvenich. Sie untersteht heute der St.-Josefs-Pfarre Nörvenich im Kreis Düren. St. Viktor wurde im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, hat ihren Ursprung aber in fränkischer Zeit um das Jahr 850.[1] Die ehemalige Pfarrkirche des Kirchspiels Hochkirchen ist heute eine Filialkirche der Pfarre St. Josef Nörvenich. Sie wird von vielen Einwohnern aus der Umgegend besucht, weil das Kirchengebäude schon von Weitem sichtbar ist. Es gibt über sie wenig schriftliche Unterlagen.

Unterhalb der Kirche fließt westlich von Süden nach Norden der Neffelbach, und unweit führt die Bundesstraße 477 vorbei, deren Verlauf mit der römischen Heerstraße von Neuss nach Zülpich identisch ist. Der Lageplan aus dem Jahre 1895 zeigt die damalige Lage der Kirche neben dem Steinfelderhof.

Die mit dem Kirchturm etwa 38 m hohe geostete Kirche, die auf einem hoch ansteigenden Bachufer am nordwestlichen Ortsrand steht, überragt den auf 113 Meter über NHN liegenden Ort weithin sichtbar. Reste des alten aufgelassenen Kirchhofs umgeben die Kirche bis auf ihre Nordseite. Dort stehen die Backsteinbauten des ehemaligen, im Jahr 1902 erbauten Pfarrhauses und eines in der heutigen Form aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gebäudes des Steinfelderhofes. Von der historischen Friedhofsanlage sind noch 109 Grabmale, überwiegend als Grabkreuze, vorhanden. Das älteste Grabkreuz wurde zum Gedächtnis an Johann Hoch aus Eggersheim im Jahr 1586 aufgestellt.[1]Das Kirchengelände ist von einer Sandsteinmauer umschlossen, die mit einer Backsteinrollschicht abgedeckt ist. Das schmiedeeiserne Tor an der Nordostseite der Kirche ist zugleich Eingang und Zufahrt für die Kirchenbesucher und die Anlieger im ehemaligen Zehnthaus.[2] Die Zufahrt benutzen auch die Mieter des ehemaligen Pfarrhauses.

Das Bonner Landesamt für Denkmalpflege führte 1980/81 unter Leitung von Wilfried Maria Koch archäologische Grabungen in Hochkirchen durch.[3] Aufgrund der Auswertung der Befunde stand im Bereich des heutigen Kirchturmes sowie des ehemaligen Pfarrhauses und auf einem Teil des alten Kirchhofs ein großes römisches Landhaus, eine sogenannte villa rustica. Diese Anlage, wohl typischerweise Haupthaus und Nebengebäude (zumeist im geschlossenen Viereck), soll im 4. Jahrhundert erweitert worden und aufwändig ausgestattet gewesen sein. Nach den bei den Grabungen geborgenen Artefakten zu urteilen, handelte es sich um ein Gebäude mit luxuriösem Marmorfußboden und Wandmalereien als Verzierung. Es gab Anzeichen, dass es im 5. Jahrhundert seiner Wertgegenstände beraubt und, von einigen Autoren als Anzeichen einer Brandschatzung gewertet, vieles vernichtet wurde. Die Schäden waren derart groß, dass ein Wiederaufbau unterblieb und die Ruine verfiel.[4]


Lageplan Hochkirchen Kirche 1895
Stützmauer der westlichen Kirchhofsmauer an St. Viktor
Grabungsfunde in rekonstruierter Anordnung: Reste von Wandmalereien
Initialen der ehemals zur Pfarre gehörenden Orte
Steinfelderhof, ehemaliger Zehnthof der Abtei Steinfeld
Ansicht von Südwesten
Quer- und Längsschnitt der Kirche am Ende des 19. Jahrhunderts
Turm von Westen
Taufkapelle
Die Michaelskapelle
Glockenstuhl St. Viktor
Nach Poettgens Beschreibung die Marienglocke
Taufkapelle
Fenster Chor-Nordseite links und Sakristeifenster
Romanisches Rundbogenfenster im Nebenschiff
St. Viktor Südseite, Langhaus Eingang, Chor
Couronnement eines spätgotischen Rundbogenfensters
Langhaus nach Osten
Kruzifixus 16. Jahrhundert
Strahlenkranz über dem Nikolausaltar
Kalscheuer-Orgel von 1856