Stall


Mit Stall (auch Stallung und Viehstall; eigentl. Standort, Stelle) bezeichnet man ein zur Unterbringung von Haustieren dienendes Gebäude.

In der Schweiz bezeichnet der Stall auch Wirtschaftsgebäude, welche zur kombinierten Unterbringung von Tieren und z. B. Heu gebaut wurden, respektive gar einzig der Aufbewahrung des Letzteren dienen („Heustall“).[1]

Ställe bilden oft Gebäude auf einer Hofstelle oder befinden sich in deren Nähe. Solche Ställe werden Hofstall genannt, und zwar auch dann, wenn sie relativ groß sind. Das entscheidende Merkmal eines Hofstalls besteht darin, dass der Landwirt seine Tiere relativ schnell von seiner Wohnung aus erreichen kann. Bei Wohnstallhäusern, die vor der Industriellen Revolution vorherrschend waren, wird die Stallfunktion von einem in das Wohnhaus integrierten Gebäudeteil wahrgenommen.

In der Nähe größerer Weideflächen (oft weit abseits einer Hofstelle) liegende Ställe für Tiere in Freilandhaltung werden als Außenstall bezeichnet. Die halbnomadischen Maiensässe der Dreistufenwirtschaft verfügen im Alpenraum über kombinierte Aussenställe für die Winterfütterung; häufig wurden vor allem früher während des Winters die Tiere von Stall zu Stall getrieben, anstatt wie heute das Heu überwiegend ins Tal zu transportieren.

In der industrialisierten Landwirtschaft des 21. Jahrhunderts tritt zu den genannten Stalltypen der Großstall ohne Gebäude mit Wohnfunktion in unmittelbarer Nähe im Außenbereich von Gemeinden als dritter Stalltyp hinzu. In solchen Ställen gehaltenen Tieren wird meistens nicht die Gelegenheit gegeben, auch im Freien Nahrung zu sich zu nehmen.

Auch heute noch gibt es bei Nutztieren sowohl eine Weidehaltung als auch eine Stallhaltung. Bei den meisten Tierarten überwiegt in Deutschland und in anderen Industriestaaten die Stallhaltung: Von 12,5 Millionen Rindern in Deutschland erhalten 4,8 Millionen zumindest zeitweise die Gelegenheit zu einem Weidegang. Von den Schweinen in Deutschland werden weniger als ein Prozent im Freiland gehalten. Hingegen lassen 93 Prozent der 22.800 Schafhalter in Deutschland ihre Tiere weiden; das entspricht 84 Prozent aller Schafe.[2] Auch für Tiere, die (überwiegend bzw. saisonal) im Freien gehalten werden, gibt es Ställe, zumeist in der Form von Außenställen. Ein Grund für die Stallhaltung von Tieren, die sich theoretisch das ganze Jahr über im Freien aufhalten könnten, ist deren Sicherheit. Im Winter sind die Wasserstellen oft vereist, dort besteht Rutsch- und Verletzungsgefahr. Die Stallhaltung bietet Sicherheit, Kontrolle und Versorgung. Außerdem wird die Einsammlung von Tiermist durch Konzentration der Tiere erleichtert.


Notstall zum Fixieren von Pferden während des Hufbeschlags
Ställe am Bauernhof (Hofställe)
Aussenstall auf einem Maiensäss (Spalegna bei Flims); kombinierter Viehstall (unten) und Heustall (oben) in Rundholzbauweise.
Dorfstall in Falera, unten Viehstall, oben links Heustall, oben rechts Scheune, vor der Fassade die Kornhiste (Harpfe). Die Galerie unter dem Dach dient dem Trocknen.
Moderner Kuhstall
Rinder in ihrem Auslaufgehege vor dem Laufstall
Schweinemast, DDR, 1956
Boxen in einem Pferdestall
Hähnchenmast
Blick in den ehemaligen Viehstall eines Bauerngutes in Goppeln bei Dresden. Der 1768 erbaute Stall wird seit 2005 als Stallgalerie für Kunstausstellungen genutzt.
Schafstall in der Lüneburger Heide
Schafstall in der Wildeshauser Geest. Regionaltypisches Merkmal: die Findlingsmauern[6]
Schafstallkirche St. Martin (Munster)
Beispiel für Szenarium 2: Stall im Südtiroler Landesmuseum für Volkskunde in Dietenheim (Südtirol)
Alter Schweinestall