Stift Kremsmünster


Stift Kremsmünster ist ein Kloster der Benediktiner in Kremsmünster in Oberösterreich. Seit seiner Gründung im Jahr 777 ist es spirituelles und wirtschaftliches Zentrum der Region. Bekannt ist das Stift auch durch die Sternwarte (den Mathematischen Turm von 1750) und für das Gymnasium.

Das Kloster wurde 777 von Herzog Tassilo III. von Bayern gegründet.[1] Sein Sohn Gunther soll der Legende nach während eines Jagdausrittes von einem Eber angefallen und getötet worden sein. Die Klostergründung diente dazu, die Binnenkolonisation im waldreichen und von Bajuwaren und Slawen besiedelten Traungau voranzutreiben. Slawen hatten im herzoglichen Forst von Dietach, Sierning und Eberstalzell einige Gebiete gerodet, Tassilo übergab sie und andere etwas entlegenere Besitzungen als Dotation an das Kloster. Erster Abt wurde Fater, der zuvor der Kaplan des Herzogs gewesen war. Bei der Gründung am 9. November 777 waren Bischof Virgil von Salzburg, Bischof Simpert von Regensburg, Bischof Waldrich von Passau sowie die Äbte von Mondsee (Oportunus), von Niederalteich (Wolfperth), von Schlehdorf (Atto) sowie von Chiemsee (Gaozrih und Hrodhart) anwesend. Von bayerische Adeligen waren die Grafen Utih, Megilo, Salucho und die zu Tassilos Gefolge zählenden Reginold, Adalker und Hertnid vertreten. Auch Theodo III., der bereits gesalbte Sohn Tassilos, approbierte die Gründungsurkunde, was seine erste offizielle Amtshandlung als Nachfolger seines Vaters war.[2]

Ein bedeutender Chronist des Klosters war Berchtold von Kremsmünster (* vor 1270; † nach 1326), der die „Historia Cremifanensis“ und die „Narratio de ecclesia Cremsmunstrensi“ verfasste.

Unter Benutzung älterer Bestandteile entstand ab der Mitte des 17. Jahrhunderts eine umfangreiche Anlage, die neben Stift Melk zu den größten Österreichs gehört. Unter den Baumeistern waren Carlo Antonio Carlone (Stiftskirche, Kaisersaal, Bibliothek, Fischkalter) und Jakob Prandtauer (Wirtschaftshöfe im äußeren Stiftshof, Umbau des Fischkalters), der auch die Klosterkirche in Melk gestaltete.

Die Bauanlage von Kremsmünster hat ihre größte Ausdehnung im etwa 290 Meter langen Südflügel. Dort liegen wichtige repräsentative Räumlichkeiten: Refektorium, Bibliothek und Kaisersaal. Abgeschlossen wird der Südflügel im Osten vom 51 Meter hohen Mathematischen Turm, in dem sich die Sternwarte Kremsmünster befindet. Dieser Turm gilt als eines der ersten Hochhäuser Österreichs.

Derzeit versehen 43 Mönche, davon 38 mit feierlicher Profess,[3] teils im Kloster, im Stiftsgymnasium, in der Jugendseelsorge (Treffpunkt Benedikt)[4] sowie in 27 Pfarren, einer Expositur und einer Kaplanei ihren Dienst.[5] P. Maximilian Bergmayr ist seit 2013 Prior von Kremsmünster.


Stift Kremsmünster von Nordosten
Torbau am Klostertor
Kloster-Vorhof
Innerer Stiftshof
Wassergraben
Der Tassilokelch während einer Ausstellung im Centre Charlemagne, Aachen 2014
Gunthergrab
Orgel und Empore
"Mathematischer Turm", die älteste Sternwarte Mitteleuropas
Fischkalter des Klosters
Stiftsgymnasium
Gedenkplatte in der Kapelle des Seehauses am Almsee 1652 durch Abt Placidus Buechauer Kremsmünster zur Errichtung des Hauses.
Gedenktafel für Missbrauchsopfer