Strukturalismus


Strukturalismus ist ein Sammelbegriff für interdisziplinäre Methoden und Forschungsprogramme, die Strukturen und Beziehungsgefüge in den weitgehend unbewusst funktionierenden Mechanismen kultureller Symbolsysteme untersuchen.[1]

Der Begriff Strukturalismus ist vom Wort Struktur abgeleitet und wurde vereinzelt seit Mitte des 19. Jahrhunderts verwendet.[2] In der Psychologie wurde er 1907 von James Rowland Angell in einem Aufsatz über Edward Bradford Titchener eingeführt.[3] In der Sprach- und Literaturwissenschaft wurde er seit den 1920er vom Prager linguistischen Kreis verwendet.[4] Dort knüpfte Roman Jakobson an die Schule des Russischen Formalismus an und verwendete den Begriff „Strukturalismus“ erstmals 1929 in einem in der Prager Zeitschrift Čin auf Tschechisch unter dem Titel Romantischer Panslawismus – neue Slawistik (Romantické všeslovanství — nová slávistika) veröffentlichten Aufsatz:

Were we to comprise the leading idea of present-day science in its most various manifestations, we could hardly find a more appropriate designation than structuralism. Any set of phenomena examined by contemporary science is treated not as a mechanical agglomeration but as a structural whole, and the basic task is to reveal the inner, whether static or developmental, laws of this system. What appears to be the focus of scientific preoccupations is no longer the outer stimulus, but the internal premises of the development; now the mechanical conception of processes yields to the question of their functions.[5][6][7]

Der Strukturalismus ist eine geistige Strömung, die ihre Hochphase in den 1960er bis 1970er Jahren hatte und teilweise als Modeerscheinung kritisiert wurde.[8][9] Einen großen Konsens gibt es noch zur Zeit der Entstehung mit der Genfer Schule der Linguistik um Ferdinand de Saussure und der Prager Schule in den 1920er Jahren gegen eine rein historische Betrachtung der Sprache. Übertragungen auf der Suche nach festen Strukturen ergaben sich für die Völkerkunde, die Geschichts- und die Literaturwissenschaft, über das Denken für die Psychologie/Psychoanalyse und Philosophie des Geistes. Über den akademischen Austausch (Leonard Bloomfield) und die Emigration bildeten sich US-amerikanische/kanadische Schulen aus. In der Hochphase prägten viele französische Forscher die Strömung, teilweise in Opposition zur angelsächsischen Analytischen Philosophie. Auch der Marxismus stand in Opposition mit dem Vorwurf, die historischen Gesetze zu verkennen. Mit dem Poststrukturalismus wurde ein Ende verkündet, dessen Berechtigung und Zeitpunkt aber umstritten bleibt.[10]

Es gibt keinen einheitlichen Strukturalismus, sondern nur strukturalistische Grundannahmen, die in den verschiedenen Strukturalismen immer wieder produktiv werden und vom System-Charakter der Struktur ausgehen: Die Struktur bedingt die Funktionalität der Teile im Verbund einer Ganzheit.[11]