Studentengeschichte


Die Studentengeschichte ist ein Forschungsgebiet der Universitätsgeschichte und beschäftigt sich mit der Kultur- und Sozialgeschichte der Studenten vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Im deutschen Sprachraum lange Zeit hauptsächlich von Historikern und Barfußhistorikern aus dem Umfeld der Studentenverbindungen betrieben, finden studentenhistorische Fragestellungen in jüngerer Zeit verstärkt auch das Interesse im akademischen Diskurs[1][2] und haben sich laut den Historikern Matthias Asche und Stefan Gerber inzwischen zu einem „eigenen, zunehmend profilierten Forschungsfeld entwickelt“.[1]

Die Beschäftigung mit der Geschichte der Studenten und ihres Brauchtums begann im deutschsprachigen Raum gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Ihre Initiatoren waren oftmals korporierte Laienwissenschaftler und Antiquare, aber auch studierte Historiker wie Wilhelm Erman, Wilhelm Fabricius und Paul Ssymank.[3] Letzterer erhielt 1920 in Göttingen erstmals einen Lehrauftrag für Hochschul- und Studentengeschichte und gründete dort das – später nach Würzburg verlegte – Institut für Hochschulkunde. Die dauerhafte Etablierung der neuen Disziplin Hochschulkunde scheiterte jedoch zunächst am Geldmangel sowie – nach 1933 – an der politischen Einflussnahme der nationalsozialistischen Reichsstudentenführung: Diese verfügte 1936 zwar die Gründung eines neuen Forschungsinstituts in Würzburg, in dem die Bestände des (vormals Göttinger) Instituts mit beschlagnahmten Archiven mehrerer Korporationsverbände, mit Aktenabgaben der Deutschen Studentenschaft, des Deutschen Studentenwerks und des NS-Studentenbundes sowie angekauften Privatsammlungen vereinigt wurden. Pläne zur Einrichtung eines Lehrstuhls an der dortigen Universität zerschlugen sich jedoch abermals.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es erneut korporierte Fachhistoriker und Autodidakten im Arbeitskreis der Studentenhistoriker, die ihre bereits 1924 begründeten jährlichen Tagungen 1954 wieder aufnahmen. Etwa zur gleichen Zeit entstanden – neben der bereits seit 1909 bestehenden Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung – weitere Vereine, die sich vorwiegend mit der Geschichte des Verbindungswesens befassten: so der Verein für corpsstudentische Geschichtsforschung (1956), die Studentengeschichtliche Vereinigung des Coburger Convents (1959), der Österreichische Verein für Studentengeschichte (1969), die Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte (GDS, 1974) und die Schweizerische Vereinigung für Studentengeschichte (SVSt, 1984).


Gründungsbeschluss des Hochschularchivs der Deutschen Studentenschaft (1919)
Studentenhistoriker vor dem Huttenschlösschen (1954)