Synagoge (Dirmstein)


Die Synagoge in der rheinland-pfälzischen Ortsgemeinde Dirmstein bestand als jüdischer Sakralbau von 1858 bis 1933. Das Gebäude existiert noch heute; weil es mehrmals umgebaut wurde, unterliegt es nicht dem Denkmalschutz.

Das heute als Wohnhaus genutzte Gebäude mit der Straßenanschrift Mitteltor 14 steht an der Ecke der Straße Mitteltor zur ehemaligen Hildebrandstraße unweit der Laurentiuskirche und schräg gegenüber dem Alten Rathaus auf einer Höhe von 102 m ü. NHN.[1]

Die Anzahl der jüdischen Bürger Dirmsteins hatte vom ersten schriftlichen Zeugnis über eine jüdische Gemeinde – als 1464 die vermögenden Mitglieder in die Reichssteuerliste aufgenommen wurden – bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts meist bei einigen Dutzend gelegen. Spätestens ab 1738 unterhielt die jüdische Gemeinde eine zweistöckige „Judenschuhl“, womit man Betsaal und Schule bezeichnete. In der Zeit der französischen Besetzung der linksrheinischen deutschen Gebiete (1794–1815) erhielten die Juden nicht die erhoffte Gleichstellung, aber immerhin mehr Rechte als zuvor. Infolgedessen zogen mehr Familien zu. Während noch 1833 eine „israelitische Winkelschule“ von den seit 1816 durch das Königreich Bayern bestimmten Ortsbehörden untersagt wurde, durfte sechs Jahre später für den „Synagogensprengel Dirmstein“ eine Schule errichtet werden. 1858 hatte sie 28 Schüler, die aus Dirmstein sowie aus den Nachbargemeinden Heuchelheim, Gerolsheim, Laumersheim und Obersülzen kamen.

Die jüdische Gemeinde hatte 1855 die Höchstzahl von 129 Personen erreicht, als die 29 Familienvorstände beschlossen, eine neue Synagoge zu bauen. Der Bau wurde am 5. August 1856 im Namen des bayerischen Königs Maximilian II. Joseph genehmigt und nahm zwei Jahre in Anspruch. Die Finanzierung gestaltete sich schwierig, denn eine Kollekte in allen jüdischen Gemeinden Bayerns erbrachte nur 460 Gulden. Demgegenüber spendeten die christlichen Bürger Dirmsteins 600 Gulden. Trotzdem durften die Glocken der benachbarten Laurentiuskirche am 4. September 1858 zur Einweihung der Synagoge nicht läuten; das bischöfliche Ordinariat in Speyer hatte sich dagegen ausgesprochen, weil „die Einweihung … als nicht-christlicher Glaubensakt zu betrachten ist.“[2]

Innerhalb der beiden folgenden Jahrzehnte schrumpfte die jüdische Gemeinde durch Ab- und Auswanderung auf 38 Personen. Schon 1873 wollte sich die Dirmsteiner Glaubensgemeinschaft auflösen und sich Bissersheim anschließen, doch die dortigen Juden lehnten einen Zusammenschluss ab. Seit 1913 konnte der Minjan von zehn religionsmündigen Männern nicht mehr erreicht werden, die Gemeinde hörte damit faktisch auf zu bestehen.[3]