Tatra (Gebirge)


Tatra (slowakisch und polnisch Tatry) ist der Name eines Gebirgskomplexes des geologischen Fatra-Tatra-Gebietes in den Karpaten, das außer der Tatra die Große und die Kleine Fatra umfasst. Zwei Drittel des Gebietes der Tatra liegen in der Slowakei und ein Drittel in Polen (der Rysy mit 2503 m n.m. auf slowakischer Seite ist mit 2499,6 m n.p.m. der höchste Gipfel Polens). Mit 2654,4 m n.m. ist der Gerlachovský štít (dt. Gerlsdorfer Spitze) in der Slowakei die höchste Erhebung der Tatra, der Slowakei und der ganzen Karpaten. Nur dort, in ihrem nördlichsten Teil, der Hohen Tatra, und im südlichen Teil, dem Făgăraș-Gebirge, dem Retezat, dem Parâng-Gebirge und dem Bucegi-Gebirge, erreichen die Karpatengipfel Höhen von über 2500 m. Insgesamt gibt es in der Slowakei mehr als 40 Gipfel über 2000 m.

Von der Tatra zu unterscheiden ist die Niedere Tatra, die von der Tatra durch die von den Flüssen Váh (Waag) und Poprad (Popper) durchflossene Talsenke Podtatranská kotlina getrennt wird. In diesem Becken befinden sich die Landschaften Liptau (Liptov) und Zips (sl. Spiš, pl. Spisz). Westlich der Tatra befindet sich die Region Orava (pl. Orawa), nördlich die Region Podhale und die Gebirgszüge der Gorce und Beskiden.

Umgangssprachlich werden sowohl die West- und Osttatra als auch die Niedere Tatra als „Tatry“ bezeichnet (zumal das Wort „Tatry“ im Slowakischen und Polnischen heutzutage in der Mehrzahl steht), oder es wird nur die Hohe Tatra als Tatry bezeichnet.

Der zentrale Teil der Tatra besteht aus Granit, gefolgt von Sedimentgesteinen aus Kalkstein, Dolomit, Tonstein und Schiefer. Die Gebirgsbildung der Tatra wurde maßgeblich mitverursacht durch einen Grabenbruch im Bereich der Südtatra, der vor rund 15 Millionen Jahren in Erscheinung trat und dem Gebirge eine Höhe von ehemals etwa 6 km verlieh. Er trennt die Tatra vom Liptauer und dem Poprader Becken. Aus diesem Grund hat die Tatra auch keine Vorbergzone. Das Gesicht des Gebirges wurde in den letzten 2 Millionen Jahren von den Kaltzeiten geprägt. Gletscher schoben sich in den Granit der Tatra und hinterließen Trogtäler, die mit Moränen abschließen und sich nach Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher mit Wasser füllten.

Die Tatra und ihre Umgebung sind die kältesten Gebiete in der Slowakei. Der Wind weht meist aus nordwestlicher Richtung. Durch die Lage des Gebirges entsteht ein Regenschatten auf der windabgewandten Seite im Poprader Becken. Die jährlichen Niederschläge liegen um etwa 300 mm.