Taufe


Die Taufe ist ein christlicher Ritus, der seit der Zeit des Neuen Testaments besteht. Die Auffassungen über Voraussetzung, Durchführung und Wirkung der Taufe sind in den jeweiligen Konfessionen verschieden; sie kann die Eingliederung in die Gemeinschaft der Christen oder ein öffentliches Glaubensbekenntnis bedeuten. Vollzogen wird die Taufe durch Übergießen des Täuflings mit Wasser (Infusionstaufe) oder das Untertauchen im Wasser (Immersionstaufe). Dabei wird eine Taufformel gesprochen.

Manche Kirchen verstehen die Taufe als einen Ritus, der die Reinigung von religiös definierter Schuld (Sünde bzw. Erbsünde) beinhaltet und in der Folge die persönliche Erfahrung einer Gottesnähe ermöglicht. Die symbolische Taufhandlung gilt als Teilhabe an der Sündenvergebung durch den Tod Christi am Kreuz und wird als die „Eingliederung in den gestorbenen und auferstandenen Christus“ und damit als Eingliederung in die kirchliche Gemeinschaft begriffen. Eine weitere Analogie ist die „Neugeburt zur Gotteskindschaft“, unter anderem als Voraussetzung zur Jüngerschaft bzw. zur Nachfolge (vor allem im evangelikalen Bereich). Andere sehen in ihr eher eine symbolische Handlung, die die genannten Vorgänge nicht bewirkt, sondern sie lediglich bezeichnet.

Auch in der Taufpraxis unterscheiden sich die christlichen Kirchengemeinschaften. Während in vielen Kirchen die Kindertaufe die Regel ist, wird in anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften ausschließlich die Gläubigentaufe praktiziert. Auch in formaler Hinsicht unterscheidet sich die Taufpraxis der christlichen Kirchen. Während die einen den Täufling mit Wasser übergießen, wird bei den anderen der zu Taufende vollständig in Wasser eingetaucht. Die verwendete Taufformel weist in der Praxis der verschiedenen Kirchen ebenfalls Unterschiede auf. Fast alle taufen nach dem Vorbild des biblischen Taufauftrags Jesu (Mt 28 EU) „auf den“ (oder „in den“ bzw. „im“) „Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, einige wenige kirchliche Gemeinschaften taufen hingegen nach dem Vorbild der Apostelgeschichte lediglich „auf den Namen Jesus“ (Apg 2,38 EU; 10,48 EU; 19,5 EU).

Das griechische Wort für „taufen“ im Neuen Testament ist baptízein (βαπτίζειν) und bedeutet „ein-“ oder „untertauchen“. Es ist in diesem Sinne in der griechischen Literatur seit Platon (4. Jh. v. Chr.) belegt. In der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, kommt der Ausdruck baptízein (βαπτίζειν) nur viermal vor. Nur in 2 Kön 5,14 EU bezieht es sich auf das Untertauchen eines Menschen zur rituellen Reinigung.

Flavius Josephus verwendet den Begriff baptismós (βαπτισμός) – Taufe – im Zusammenhang seines Berichtes[1] über Johannes den Täufer.


Eine der frühesten Darstellungen einer Taufe in der Calixtus-Katakombe (3. Jh.)
Taufstelle Jardenit am Jordan, Israel, April 2006
Darstellung der Taufe Christi auf dem Taufbecken von Dalby (Schonen)
Taufe Christi aus dem Stundenbuch des Herzogs von Berry
Anton von Werner: Taufe in meinem Hause (1852), typisches Beispiel einer evangelischen Haustaufe im gehobenen Bürgertum des 19. Jahrhunderts
Taufschal einer Erwachsenentaufe in der römisch-katholischen Kirche mit Ankerkreuz, Ichthys, Taufdatum und Initialen des Täuflings
Kreuzförmiges Taufbecken in einer Basilika in Schivta (Negev)
Modernes Baptisterium (Baptistenkirche Heiligenstadt)
Taufbrunnen in der römisch-katholischen Raphaelskathedrale in Dubuque, Iowa, mit Becken für die Immersionstaufe
Krug mit in der Feier der Osternacht geweihtem Taufwasser
Römisch-katholische Kindertaufe
Kredenz mit dem, was für eine Taufe in der römisch-katholischen Kirche benötigt wird: Schale für das Taufwasser, Gefäße mit Katechumenenöl und Chrisam, Watte zum Abtupfen, Taufkleid (vorne links)
Taufbecken in der Mutterkirche Santa Maria Assunta in Civita (Italien)
Neuzeitliches orthodoxes Taufbecken
Griechisch-orthodoxe Kindertaufe
Taufe in der Schwedischen Kirche (Stora Sköndals kyrka, 2008)
Lutherische Taufe in Finnland
Baptistische Taufe