Carbolineum


Carbolineum (von lateinisch carbo ‚Kohle‘ und oleum ‚Öl‘) auch Karbolineum oder Steinkohlenteeröl[1][2] ist ein öliges, wasserunlösliches, brennbares, braunrotes, teerig riechendes, hochsiedendes Destillat aus Steinkohlenteer.

Steinkohlenteer-Destillate wurden erstmals 1838 durch Bethell in Großbritannien als Holzschutzmittel eingesetzt.[3][4] Der Name Karbolineum wurde 1888 von der Firma Avenarius als Handelsmarke eingeführt.[5]

Es wird aus der Steinkohlenteer-Fraktion Anthracen oder Grünöl,[6] die über 270 °C siedet, gewonnen. Es ist im eigentlichen Sinn ein spezielles Teerkreosot, aber aus einer anderen Fraktion hergestellt als das allgemein bezeichnete Teerkreosot.

Ursprünglich wird es aus filtriertem Anthracenöl hergestellt, das nochmals destilliert und filtriert wird. (Avenarius).[7] Aber auch nur einmal filtriertes Anthracenöl wird als Carbolineum bezeichnet. Es wird meist mit weiteren Zusätzen wie Chlorzink, Chlor (Avenarius Carbolineum, Deutsches Reichspatent (D.R.P.) 46021/1888), Kupfersalzen[8] (Barol), Phenol sowie Harzen versehen, um die chemischen Eigenschaften anzupassen. Jedoch ist die Wirkung deutlich geringer als die von Teer-Kreosot, da eben die Teersäuren Karbolsäuren, Phenole, Kresole zum größten Teile entzogen sind, weil diese in der höher siedenden Fraktion kaum noch vorhanden sind, also gerade die für die Konservierung wichtigsten Bestandteile fehlen.[9] 1930 änderte das Unternehmen Gebr. Avenarius die Herstellungsweise (D.R.P. 542593), wodurch die fungizide Wirkung erhöht werden sollte. Die bei naphthalinfreiem, erkaltetem Anthracenöl ausgeschiedenen festen Bestandteile werden mit Chlor behandelt und diese chlorierten Produkte werden anschließend in Steinkohleteeröl aufgelöst. Dadurch bliebe laut Hersteller das so erzeugte Carbolineum darüber hinaus auch bei niedrigen Temperaturen satzfrei.[10] Auch wird es mit Holz-, Kohlenteer sowie mit anderen Zusätzen vermischt, um die Farbgebung zu beeinflussen.[2][11]

Es enthält hauptsächlich polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) Anthracen, Phenanthren, Naphthalin, Chrysen sowie heterocyclische KW Pyridin, Chinolin, Isochinolin und Kresol, Phenole. Man unterscheidet verschiedene Präparate für den Pflanzenschutz: Schwer- bzw. Mittelöl-Obstbaumkarbolineum und das Obstbaumkarbolineum mit Dinitrokresol.[12]Die Teeröle sind nicht wasserlöslich. Es kann aber durch Zugabe von Seife, Soda oder auch Lauge eine Emulsion aus Wasser und Öl hergestellt werden.[2] Vor allem das in den Teerölen enthaltene Phenol wirkt als Emulgator. Das Phenolmolekül besteht wie die klassischen Seifen aus einem unpolaren, hydrophoben Kohlenstoffgerüst und einem polaren, hydrophilen Teil. Durch Zugabe von alkalischen Substanzen wird die Emulgatorfunktion des Phenols noch verstärkt, da dann das Phenol ins stärker polare Phenolat übergeht. Carbolineum ist mit den heute verbotenen Mitteln Kombinal TO und Hylotox misch- und kombinierbar.[13]


Mit Karbolineum behandelter und konservierter Telegrafenmast
Ampulle in einem Schaukasten des Heimat- und Schulmuseums Himmelpforten
Verkaufspackung, Kanister, 5 l