Thayatalbahn


Die Thayatalbahn ist eine stillgelegte und teilweise bereits abgetragene Bahnstrecke in Niederösterreich. Sie ist eingleisig, normalspurig und nicht elektrifiziert. Sie zweigt am Bahnhof Schwarzenau von der Franz-Josefs-Bahn in Richtung Norden ab und führt über Waidhofen an der Thaya bis nach Zlabings. Sie ist die einzige internationale und grenzüberschreitende Bahnstrecke, welche vom Land Niederösterreich übernommen wurde. Insgesamt wurden über 630 Bahnkilometer durch das Land von den ÖBB übernommen, im Mai 2019 wurde der Abschnitt Schwarzenau – Waidhofen an der Thaya für gelegentliche Sonderzüge wiedereröffnet.
Ebenfalls bei Schwarzenau zweigt die Zwettler Bahn von der Franz-Josefs-Bahn in Richtung Süden ab.

Ursprünglich war geplant, Waidhofen an der Thaya direkt an die Franz-Josefs-Bahn anzuschließen; die Waidhofener standen dem aber negativ gegenüber. Erst als man sah, dass ein Bahnanschluss einen wirtschaftlichen Aufschwung bedeutete, wurde ein Nebenbahnanschluss realisiert.

Die Bahnstrecke Schwarzenau bis Waidhofen an der Thaya wurde am 3. August 1891 offiziell eröffnet, die Verlängerung bis nach Zlabings am 20. Juni 1903.[1][2] 1945 wurde der grenzüberschreitende Verkehr eingestellt, die Züge endeten nunmehr an der Haltestelle Fratres. Da hier die Lokomotive nicht umgesetzt werden konnte, mussten Züge nach Gilgenberg zurück geschoben werden.

Als 1959 der zweigleisige Betrieb auf der Franz-Josefs-Bahn aufgelassen wurde, wurde die Strecke in den Bahnhof Schwarzenau verlängert. Bis dahin begann sie bei der Abzweigung Willings in km 0,0 und benutzte bis dort das rechte Streckengleis der Franz-Josefs-Bahn mit. Ab dann diente dieses ehemalige Streckengleis ausschließlich der Thayatalbahn. Am 29. Mai 1976 endete der Dampflokbetrieb. Am 10. Jänner 1977 wurde der Streckenabschnitt Gilgenberg–Fratres eingestellt, aber im ÖBB-Kursbuch als mit "derzeit kein Schienenverkehr" gekennzeichnet. Gilgenberg (unbesetzte Haltestelle) wurde ohnehin in den letzten Jahren nur mehr zwei- bis dreimal am Tag bedient.[3] Am 1. September 1986 stellte man schließlich den Personenverkehr zwischen Waidhofen an der Thaya und Gilgenberg wegen Unrentabilität ein und ersetzte ihn durch eine Autobuslinie.[4]

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 stellte sich die Frage einer Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke. Diese stieß sowohl in Tschechien als auch bei österreichischen Bahninteressenten auf Interesse, jedoch nicht bei den ÖBB aufgrund der kolportierten Kosten von 53 Mio. Schilling (3,85 Mio. Euro).[5] Ende 1992 wurde der Verein neue Thayatalbahn gegründet, welcher sich für die Reaktivierung der Strecke einsetzt.[6] Unglücklicherweise wurden durch das Hochwasser 2006 Teile der im Güterverkehr befahrenen Trasse zwischen Waidhofen an der Thaya und Waldkirchen an der Thaya beschädigt und bis zur Stilllegung nicht wieder in Stand gesetzt.


Thayatalbahn auf einer hist. Landkarte
Bahnhof Waidhofen an der Thaya