Thomsonit


Thomsonit ist die Bezeichnung eines nicht näher bestimmten Mischkristalls mit den als eigenständige Minerale anerkannten Endgliedern Thomsonit-Ca und Thomsonit-Sr aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Beide Thomsonite kristallisieren im orthorhombischen Kristallsystem mit den idealisierten Zusammensetzungen

Thomsonit als Mischkristall kann auch mit der allgemeinen Formel Na(Ca,Sr)2[Al5Si5O20]·6-7H2O beschrieben werden, wobei die in den runden Klammern angegebenen Elemente Calcium und Strontium sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten können (Substitution, Diadochie), jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals stehen. Strukturell gehört Thomsonit innerhalb der Gerüstsilikate zur Gruppe der Zeolithe.

Erstmals entdeckt wurde Thomsonit nahe Old Kilpatrick im schottischen Verwaltungsbezirk West Dunbartonshire und beschrieben 1820 durch Henry James Brooke (1771–1857), der das Mineral nach dem schottischen Chemiker Thomas Thomson benannte.[5]

1821 beschrieb David Brewster eine vermeintlich neue Zeolithart als Comptonit nach Lord Compton, der die Proben vom Vesuv mitbrachte. Rammelsberg stellte allerdings bei späteren Analysen fest, dass das Mineral mit Thomsonit identisch war.[6]

2001 beschrieben I. V. Pekov, E. V. Lovskaya, A. G. Turchkova, N. V. Chukanov, A. E. Zadov, R. K. Rastsvetaeva und N. N. Kononkova mit Thomsonit-Sr (IMA 2000–025) das strontiumreiche Endglied der Mischreihe aus der Typlokalität Raswumtschorr in den Chibinen auf der russischen Halbinsel Kola.[7]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörten Thomsonit-(Ca) und Thomsonit-(Sr) zur allgemeinen Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate), mit Zeolithen“, wo sie zusammen mit Gonnardit, Mesolith, Natrolith, Paranatrolith und Skolezit innerhalb der Zeolithgruppe die Untergruppe der „Faserzeolithe I“ mit der System-Nr. VIII/J.21 bildete.


Kugeliges Thomsonit-Aggregat aus Aurangabad, Maharashtra, Indien (8,3 × 6,6 × 5,6 cm)
Calcit-Druse mit weißen Thomsonitkugeln, von denen einige mit faserigen Thomsonitkristallen überwachsen sind, aus Goble, Columbia County (Oregon), USA (Größe: 30 × 25 × 18 mm)
Teilweise mit lachsfarbenen Thomsonit-Ca-Kristallen aufgefüllte Geode aus St. Ulrich in Gröden (ital. Ortisei), Südtirol (Größe: 8,0 × 6,0 × 4,2 cm)