Truppenarzt


Truppenarzt (Abk. der Bundeswehr: TrArzt) ist die militärische Dienstpostenbezeichnung für den mit der medizinischen Behandlung und Betreuung eines Truppenteils beauftragten Sanitätsoffizier (Humanmedizin). Neben den Truppenärzten gibt es beim Militär auch Truppenzahnärzte[1] sowie speziell qualifizierte Fliegerärzte und Schiffsärzte.[2]

Truppenärzte gab es zudem bei der Waffen-SS[3] und im Sanitätswesen der deutschen Konzentrationslager.[4]

Im Sanitätsdienst der Bundeswehr sind seit der letzten Bundeswehrreform Truppenärzte überwiegend in regionalen Sanitätseinrichtungen des Zentralen Sanitätsdienstes stationiert und dort im Rahmen der unentgeltlichen truppenärztlichen Versorgung (utV) für die Betreuung und Behandlung der am Standort ansässigen militärischen Dienststellen und deren Soldaten zuständig. Die Anzahl der zugehörigen Truppenärzte einer regionalen Sanitätseinrichtung richtet sich hierbei nach der zu betreuenden Truppenstärke. Die bei den Teilstreitkräften verbliebenen Truppenärzte sowie das unterstützende Sanitätspersonal sind einem Verband der jeweiligen Teilstreitkraft zugeordnet. Die Truppenarztstellen bei der Bundeswehr sind in der Regel kombinierte Stabs-/Oberstabsarzt-Stellen.

Unterstellt sind die Truppenärzte bei der Bundeswehr truppendienstlich nach §1 VorgV dem Leiter der regionalen Sanitätseinrichtung, in den Sanitätsdiensten der Teilstreitkräfte dem jeweiligen Kommandeur, fachdienstlich in regionalen Sanitätseinrichtungen dem Leiter der Dienststelle und im Sanitätsdienst der Teilstreitkräfte dem Leitenden Sanitätsoffizier (LSO). Zur Erfüllung ihrer Aufgaben ist den Truppenärzten fachdienstlich (§2 VorgV)[2] entsprechendes Sanitätspersonal unterstellt.

Bereits vor der Gründung der Bundeswehr wurde das Verhältnis des Truppenarztes gegenüber den zu behandelnden Soldaten diskutiert. Während die eine Seite es – insbesondere in Kriegssituationen – für zwingend notwendig hielt, Truppenärzten gegenüber den Patienten Vorgesetzteneigenschaften zu verleihen, betrachtete die Gegenseite das Arzt-Patient-Verhältnis einem Vorgesetzter-Untergebener-Verhältnis übergeordnet, und wollte nur den Ärzten in Lazaretten Vorgesetztenbefugnisse zuteilwerden lassen.[5] Letztendlich fiel die Entscheidung im Sinne der Befürworter. Noch bis in die späten 2010er Jahre waren Truppenärzte der Bundeswehr gegenüber den als Patienten zu behandelnden Soldaten vorgesetzt nach §3 VorgV.[6] Gegenüber den Patienten begründet sich nach heutiger Rechtsauffassung kein Vorgesetztenverhältnis mehr.[7]

Zur Geschichte der militärischen Heilfürsorge in der Antike, Mittelalter und Frühen Neuzeit siehe Wundarzt, Chirurgie und Militärischer Sanitätsdienst. Für Deutschland ab 1871 siehe Sanitätsoffizier.