Underwriter (Kreditwesen)


Der Underwriter geht im Bankwesen bei Konsortialkrediten oder Wertpapieremissionen als Konsortialführer die Verpflichtung ein, einen bestimmten Kreditbetrag vollständig zu gewähren oder ein bestimmtes Platzierungsvolumen vollständig zu übernehmen, unabhängig davon, ob und inwieweit sich Konsortialbanken am Konsortium beteiligen werden oder die Emission auf dem Primärmarkt vollständig platziert werden kann.

Der Anglizismus „Underwriter“ für das Wirtschaftssubjekt oder „Underwriting“ für die Tätigkeit geht auf Versicherungsunternehmen zurück, die bei Lloyd’s of London als Lloyd's underwriters die Verpflichtung (englisch underwriting) eingingen, eine bestimmte Versicherungssumme als Teilbetrag einer größeren Versicherungssumme zu übernehmen.[1] Zu diesem Zweck wurde 1909 die Lloyd's Underwriters Association für Seeschiffe und 1910 für andere Versicherungsrisiken gegründet.[2]

Ein Konsortialvertrag kommt allgemein erst rechtswirksam zustande, wenn sich der Konsortialführer und Emittent oder Kreditnehmer auf einen endgültigen Vertragstext geeinigt und die übrigen Konsortialbanken diesem Vertrag zugestimmt haben. Dabei besteht für den Emittenten oder Kreditnehmer das Risiko, dass das kalkulierte Emissions- oder Kreditvolumen unterschritten wird. Um den Emittenten oder Kreditnehmer von diesem Risiko zu befreien, gibt es das Instrument des Underwritings.

Die „Übernahmeverpflichtung“ (englisch Underwriting commitment) ist die Verpflichtung des vorgesehenen Konsortialführers (bei mehreren entsprechend englisch Joint underwriting commitmen) gegenüber dem Kreditnehmer oder Emittenten, das gesamte Kredit- oder Platzierungsvolumen zu übernehmen. Der Kreditnehmer oder Emittent möchte sich auf die Bankzusage verlassen und nicht abwarten, ob und inwieweit andere Konsortialbanken sich beteiligen wie dies beim „best effort“-Konsortium der Fall ist. Der Underwriter übernimmt mit seiner Verpflichtung das volle Kreditrisiko bzw. Emittentenrisiko der Platzierbarkeit einer Emission oder der Syndizierbarkeit[3] bei Konsortialbanken.[4]

Underwriting ist entweder eine Emissionsform von Wertpapieren, bei der ein Bankenkonsortium die Gewährleistung für die Platzierung einer Wertpapieremission übernimmt oder die Bezeichnung für ein Kreditgeschäft, zu dessen Durchführung sich der Konsortialführer verpflichtet.[5]