Urburschenschaft


Die Urburschenschaft verfolgte die Idee, die landsmannschaftlichen Zusammenschlüsse an den Universitäten abzuschaffen und alle Studenten in einer „Allgemeinen Burschenschaft“ zusammenzuführen. Auch in der Politik sollte die Kleinstaaterei zugunsten eines vereinten Deutschlands abgeschafft werden. Protagonisten dieser Ideen waren Friedrich Ludwig Jahn, Ernst Moritz Arndt, Johann Gottlieb Fichte und Jakob Friedrich Fries. Ein Spiritus rector war der Jenaer Historiker Heinrich Luden.[1][2]

Wie in weiten Teilen der Bevölkerung (überwiegend im preußisch-protestantischen Raum) entwickelte sich während der napoleonischen Fremdherrschaft auch innerhalb der Studentenschaft ein eigener, deutscher Patriotismus. Bereits 1811/12 wurde von Friedrich Ludwig Jahn und Karl Friedrich Friesen der erste Plan zur Gründung einer „Burschenschaft“ (Bursche war die zeitgenössische Bezeichnung für Student) gefasst. Die Aufgaben sollten in der Stärkung des deutschen Sinnes, der moralischen Verbesserung und Vorbereitung der deutschen Befreiung und Einigung liegen. Die Ideen fanden starken Anklang an den deutschen Universitäten. Als in Preußen zur Zeit der Befreiungskriege die Bildung von Freiwilligenverbänden zugelassen wurde, traten viele Studenten – viele waren später Gründungsmitglieder der Urburschenschaft – in das Lützowsche Freikorps ein, wo sie mit den Gedanken der Jahn-Friesenschen Burschenordnung in Kontakt kamen. Nach der siegreichen Rückkehr aus Frankreich kam es 1814 mit der Gründung einer „Wehrschaft“ in Jena, der „Teutonia“ in Halle (die bereits stark burschenschaftlich geprägt war und den Wahlspruch „Freiheit, Ehre, Vaterland!“ hatte) und in Gießen („Gießener Schwarze“ oder „Unbedingte“) zu den ersten burschenschaftlichen Vereinigungen.

Als studentische Zusammenschlüsse dominierten um 1815 Landsmannschaften als Gruppen von Studenten gleicher regionaler Herkunft. Für die Jenaer Studenten waren sie ein Symbol der staatlichen Zersplitterung Deutschlands. Allerdings zeigten sich auch bei den Landsmannschaften bald nationale Regungen. In der Nacht vom 5. auf den 6. September 1812 hatte die Landsmannschaft Vandalia Jena das erste deutsch-patriotische Studentenfest des 19. Jahrhunderts auf der Kunitzburg mit einem großen Feuer, patriotischen Liedern und Reden gefeiert.[3] Am 29. Mai 1815 beschloss der Senioren-Convent der Jenaischen Landsmannschaften seine Auflösung. Am 12. Juni 1815 lösten sich die bestehenden Landsmannschaften Thuringia, Vandalia, Franconia, Saxonia und Curonia auf und gründeten im Gasthaus „Grüne Tanne“ in Wenigenjena die Burschenschaft.[4]In der Verfassungsurkunde der Jenaischen Burschenschaft vom 12. Juni 1815 heißt es:[5]


Stamm-Buch der Urburschenschaft mit dem Eintrag von Heinrich von Gagern, dem späteren Präsidenten der Frankfurter Nationalversammlung
Gründungsort der Urburschenschaft, Gasthaus „Grüne Tanne“ in Jena-Wenigenjena, Karl-Liebknecht-Straße 1
Denkmal für die Urburschenschaft und ihre Gründer in Jena. Historischer Standort auf dem Eichplatz, später vor dem Neuen Universitätshauptgebäude.
Jenaer Gedenkblatt (1883) – die Begründer der Deutschen Burschenschaften Riemann (o), Horn (ul) und Scheidler (ur)
DDR-Briefmarke zum Wartburgfest 1817
Fahne der Urburschenschaft von 1816
Stammbuchblatt Alfred von Seckendorffs – einzigartiges Nebeneinander der Zirkel von Urburschenschaft und Corps
Siegel der Urburschenschaft