Verschuldungsgrad


Der Verschuldungsgrad (englisch debt to equity ratio, gearing oder leverage ratio) eines Schuldners (Unternehmen, Gemeinden oder Staaten) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die das Verhältnis zwischen dem bilanziellen Fremdkapital und Eigenkapital angibt. Sie gibt Auskunft über die Finanzierungsstruktur eines Schuldners. Mit steigendem Verschuldungsgrad geht eine Erhöhung des Kreditrisikos für Gläubiger einher.

Zum Teil wird der Begriff „Verschuldungsgrad“ in der Praxis als Synonym von „Fremdkapitalquote“ verwendet.[1] In der betriebswirtschaftlichen Fachliteratur versteht man unter „Fremdkapitalquote“ jedoch zumeist eine gesonderte Kennzahl (nämlich Fremdkapital im Verhältnis zum Gesamtkapital).[2]

Gläubiger haben ein Interesse daran, ihr Kreditrisiko während der Kreditlaufzeit jederzeit messen zu können. Dazu bedarf es der Transparenz der wirtschaftlichen Verhältnisse ihres Schuldners (Jahresabschlüsse, kommunale oder Staatshaushalte), um aus diesen Unterlagen Informationen über das Kreditrisiko gewinnen zu können. Bei Unternehmen werden Eigenkapital und Fremdkapital miteinander ins Verhältnis gebracht, weil das Eigenkapital als Haftungsmasse für die Gläubiger zur Verfügung steht und deshalb der Anteil des Eigenkapitals am gesamten Kapital von Bedeutung ist. Je höher folglich der Eigenkapitalanteil ist, umso niedriger ist das Gläubigerrisiko einzustufen und umgekehrt. Der Verschuldungsgrad soll deshalb über die Fähigkeit informieren, Verluste oder den kurzfristigen Entzug von Eigenkapital oder Fremdkapital durchzustehen.[3] Er gehört zu den wesentlichen Schuldenkennzahlen.

Zunächst ist zu klären, welche Bilanzpositionen als Eigenkapital und welche als Fremdkapital zu klassifizieren sind. Nicht alle Positionen, die formal im Jahresabschluss dem Eigenkapital zugeordnet sind, können für Zwecke der Ermittlung des Verschuldungsgrades auch analytisch als Eigenkapital eingestuft werden. Das gilt ebenso für manche Positionen, die im Jahresabschluss als Fremdkapital ausgewiesen werden. Emittierte Wandelanleihen oder sonstige Finanzierungstitel sind ebenso in ihrer Zuordnung umstritten wie etwa der Geschäfts- oder Firmenwert („Goodwill“), der als immaterieller Vermögensgegenstand das Eigenkapital erhöht. Wird er analytisch nicht als realisierbarer Vermögensgegenstand angesehen, ist er vom Eigenkapital abzusetzen. Das gilt wiederum für alle analytisch zweifelhaften Vermögensposten (wie etwa ausstehende Kapitaleinlagen der Gesellschafter).