Vignette


Das Wort Vignette [vɪnˈjɛtə] (aus dem Französischen für „Randverzierung“, „Abzeichen“; von vigneWeinrebe“) bezeichnet ursprünglich eine Kennzeichnung der Rebsorte am Rand eines Weinbergs und das Etikett einer Weinflasche. Später wurde das Wort auf Randverzierungen im Druckwesen übertragen. Inzwischen wird es auch als Synonym für Aufkleber oder Siegel gebraucht.

Als Buchschmuck bezeichnet es ein ornamentales Zierstück, meist einen Kupferstich oder Holzschnitt[1], oft mit bildlicher Darstellung, auf dem Titelblatt eines Buches (Titelvignette). Auch kleinere Zeichnungen oder Bilder, die einem gedruckten Text zu Beginn oder am Ende eines Kapitels begleitend beigestellt werden, werden als Vignetten bezeichnet.[2] Diese Vignetten wurden von Schriftgießereien oft auch als Bleilettern hergestellt und konnten so problemlos in den Satz integriert werden, da sie im Gegensatz zu Kupferstichen, Klischees etc. bereits auf Normalschrifthöhe (62 2/3 Didot-Punkt/23,566 mm) gegossen wurden.

Als Vignette wird auch eine Variante der Porträt-Malerei bezeichnet, die besonders im 19. Jahrhundert beliebt war. Dabei werden (oft ovale) Miniaturgemälde angefertigt, die in einem Schmuckstück, beispielsweise einem Amulett, getragen werden können. Besonderes Kennzeichnen der Vignette ist dabei, dass das Bild zu den Rändern hin unschärfer wird und allmählich im Hintergrund verschwindet.

In der Literatur wird ein kurzer (impressionistischer) Text, der sich auf einen Moment, eine Person, einen Ort, ein Objekt oder eine Idee bezieht, als Vignette bezeichnet.[3] Die Analogie zur Malerei besteht darin, dass die Vignette durch die visuelle Beschreibung – und nicht etwa durch eine Handlung – wirkt.[4][5]

In der Fotografie bezeichnet Vignette eine Maske mit bestimmten Ausschnitten vor einem Objektiv und dient des Weiteren zur Verdeckung bestimmter Stellen eines Negativs beim Kopieren.[6]

Fotografische Postkarten und Porträts weisen häufig einen ähnlichen Effekt auf, der teilweise aus der Beschaffenheit der verwendeten Linsen oder Objektive herrührt, teilweise aber gezielt durch den Einsatz von Filtern erreicht wird.


Vignette aus Von Münsterischen Widertauffern (1589)
Vignette aus Ladies’ Home Companion (1901)
Erzeugung zweier Vignetten durch Nachbelichten