Waldhufendorf


Das Waldhufendorf ist eine ländliche Siedlungsform, die typischerweise in Rodungsgebieten auftritt und die sich durch einen regelmäßigen Grundriss auszeichnet. Es handelt sich um in Reihe (Reihendorf) gegenüberliegende, relativ breite Streifen landwirtschaftlichen Grundbesitzes, wobei sich die Hofanlage am straßenseitigen Rand des jeweiligen Streifens befindet.

Waldhufen- und Hagenhufendörfer sind besonders im Vogtland, im Erzgebirge und dessen Vorland, in der Oberlausitz, in den Sudeten und Beskiden, im Thüringer Wald, im Fichtelgebirge, im Bayerischen Wald, im Böhmerwald, im Spessart, im Odenwald, im Westrich, im Nordschwarzwald sowie in Nordvorpommern anzutreffen.

Aneinandergekettete Waldhufendörfer ziehen sich zum Beispiel im sächsischen Gebirgsvorland bis zu 25 km in den Tälern entlang. Der Kern eines Waldhufendorfs ist auch noch bei Dörfern in anderen deutschen Mittelgebirgen zu erkennen.

Als vermutlich ältestes Waldhufendorf Deutschlands gilt das im Jahre 877 erstmals urkundlich erwähnte Zotzenbach im hessischen Odenwald.[1]

Diese Siedlungsform gilt als charakteristisch für eine planmäßige Besiedlung des Nordschwarzwalds im 11. und 12. Jahrhundert. Auf den meist höher gelegenen fruchtbaren Kuppen des oberen Buntsandsteins wurden die Gehöfte (auch „Hufe“ oder „Hube“ genannt) entlang einer Straße durch Rodung angelegt. Als „Fränkische Hufe“ wird eine Parzelle von 24,2 Hektar bezeichnet, bei der sich hinter den Gebäuden längliche Grundstücke etwa rechtwinklig zur Mittelachse bis zum auf den Höhenrücken verbliebenen Wald erstreckten. Diese Strukturen sind bis heute erkennbar. Neue Forschungen stellen in Frage, dass es sich um planmäßige Neugründungen handelte. Möglicherweise gab es ältere Siedlungsformen, die eher aus isoliert liegenden Einzelhofsiedlungen bestanden.[2] Ähnliche Beobachtungen konnten bei Reihensiedlungen in Sachsen gemacht werden.

Im 12. und 13. Jahrhundert war die Form des Waldhufendorfes auch im thüringischen, sächsischen und schlesischen Raum die bevorzugte Siedlungsform der deutschen Siedler beim Landesausbau. Wegen der hier meist von einer Hecke (Hag) umgebenen Grundstücke wurden diese Siedlungen auch Hagenhufendörfer genannt.


Waldhufendorf
Stebnik-Steinfels (1783) wurde als Waldhufendorf gegründet. Katasterplan 1852
Aufgrund der noch weitgehend vorhandenen Steinrücken als Grundstücksgrenzen gilt Königswalde als eines der markantesten Waldhufendörfer des Erzgebirges